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Worum geht es? Wer sich mit Strategiearbeit beschäftigt, wird schnell feststellen, dass ganz am Anfang dieser Arbeit eine Vorstellung davon bestehen muss, wohin die Reise gehen soll. Welches Ideal soll mich leiten, wenn ich eine Strategie für meine Kanzlei entwickle? Es geht also darum, im Kreise der Partner eine Art Leitstern für die Positionierung zu definieren, der Orientierung und Ansporn zugleich sein soll.
Die Vision soll ambitiös, aber nicht unerreichbar sein. Sie darf ein Fernziel beschreiben, muss aber ausreichend konkret sein, um Handlungsanleitung bei wichtigen Entscheidungen der Kanzleiführung bieten zu können. Und sie soll einen Werte-basierten, konzeptionellen Rahmen für die Entwicklung der Strategie zur Verfügung stellen.
Konkrete Beispiele gewünscht? Schauen Sie sich einmal die Websites grosser, international tätiger Wirtschaftskanzleien an! In einer Nussschale zusammengefasst, steht da oft sinngemäss: „Wir bieten anspruchsvollen, international tätigen Unternehmensmandanten in komplexen Fragestellungen juristischen Rat von höchster Qualität an.“ Das ist natürlich schön und gut, aber nicht besonders unterscheidungskräftig. Da klingt die Vision einer kleinen, noch jungen Schweizer Kanzlei im Kanton Zug schon spannender. Hier heisst es: „More than business – true partnership!“ Rund um diesen Kern hat die Kanzlei ein Set von Werten und Angeboten entwickelt, mit denen Mandanten begeistert werden sollen. Die Partnerinnen und Partner haben sich zum Ziel gesetzt, in der Perzeption ihrer Mandanten jene Kanzlei zu sein, die in ihrem Markt durch eine ausgesprochene Orientierung am (ökonomischen) Mandantennutzen, an persönlicher Betreuung auf Partnerebene und durch eine enge Verzahnung ihrer Leistungserstellungsprozesse mit denen der Mandanten heraussticht. Klingt vielleicht banal, ist es aber – Hand aufs Herz, liebe Kolleginnen und Kollegen – ganz und gar nicht!
Executive School Studiengang:
Management for the Legal Profession
Trauen Sie sich etwas, wenn Sie für Ihre Kanzlei eine Vision entwickeln! Was ist mir wichtig? Was soll die DNA meiner Kanzlei sein? Will ich die Scheidungskanzlei am Ort sein, die neben rechtlicher Beratung auch Hilfe bei psychologischen oder sozialen Problemen bietet? Will ich zur Kanzlei in meiner Region werden, welche dank herausragender Technologie-Kompetenz zur (Rechtsberatungs-) Partnerin der Wahl für Start-ups wird? Will ich die global tätige Kanzlei sein, die eine so überzeugende Zusammenarbeitskultur hat, dass sie die besten Talente aus allen Gesellschaftsschichten anzieht und so zum Global Player mit der höchsten Diversität wird? Oder will ich die Kanzlei werden, die sich wie keine andere in der Beratung von gemeinnützigen Stiftungen hervortut?
Und noch ein Tipp: Soll eine Vision ihre Funktion als Leitstern für Strategieentwicklung und die tägliche operative Arbeit erfüllen, muss sie kurz und einprägsam sein. Ich empfehle Ihnen, Ihre Vision in eine „tag-line“ zu fassen. Sie soll also als Einzeiler auf einem Koffer-Etikett („tag“) Platz finden! Wie Sie den Sprung von der Vision zur Strategie schaffen, diskutiere ich in meinem nächsten Beitrag. Bis dann!
Dieser Beitrag ist Teil der Serie «Kanzleimanagement». Erfahren Sie mehr in den anderen Artikeln:
Kanzleimanagement – Wozu brauchen Kanzleien eine Strategie und wie gut können Sie schwimmen
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