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Christoph Domeisen, was hat Sie ursprünglich dazu bewogen, sich für den Lehrgang «Compliance Management CM HSG» anzumelden?
Ich hatte in meiner Firma die Rolle als Compliance Officer übernommen und wollte mir die dafür nötigen Skills auch formal aneignen. Glücklicherweise hatte mein Vorgesetzter dieselbe Idee, sodass die Finanzierung schnell geklärt war. Für die HSG habe ich mich entschieden, weil bereits mein Vorgänger denselben Kurs absolviert hatte und ihn mir weiterempfehlen konnte.
Mit welchen Erwartungen sind Sie in den Lehrgang gestartet – und haben sich diese erfüllt?
Meine Erwartung war, dass mich der Lehrgang dazu befähigt, meine Rolle als Compliance Officer kompetent auszuführen. Dabei habe ich gelernt, dass es kein allgemeingültiges Rezept für diese Funktion gibt. Gerade der Austausch mit den Referierenden und den anderen Kursteilnehmenden hat mir gezeigt, dass die vermittelten Grundlagen und Impulse immer auf das eigene Unternehmensumfeld übertragen werden müssen. In diesem Bezug nehme ich viele Ideen und Anregungen mit, welche ich auf meine Situation anpassen möchte. In diesem Sinne haben sich meine Erwartungen erfüllt.
Welche Erkenntnis oder welches Wissen aus dem Lehrgang nehmen Sie ganz konkret mit in Ihren Berufsalltag? Gab es bereits etwas, das Sie in der Praxis anwenden konnten?
Eine wichtige Erkenntnis für mich ist, dass sich nicht alles, was ich im Lehrgang gelernt habe, eins zu eins auf ein KMU übertragen lässt. Mein Berufsalltag ist sehr stark von persönlicher Interaktion geprägt. Die wesentlichen Grundlagen lassen sich jedoch – etwas adaptiert – sehr gut auf unsere Firma übertragen. Ich denke da ganz explizit an die Pflege unserer bestehenden, guten Compliance-Kultur und auch im Risikomanagement habe ich wertvolle Impulse erhalten, in die ich künftig noch mehr Arbeit investieren möchte.
Inwiefern hat der Lehrgang Ihre Sichtweise auf die Rolle und Bedeutung von Compliance im Unternehmen verändert?
Ich war über zwei Jahrzehnte bei einem Grosskonzern tätig und Compliance war dort immer wieder ein Thema. Etliche Verstösse und zahlreiche Bussen zeigten, dass an der Kultur gearbeitet werden musste. Für einen normalen Mitarbeiter irgendwo in einer Division hiess das aber vor allem, sinnlose Onlinetrainings durchzuklicken. Wir alle wussten, dass wir das nur tun mussten, um eine grössere Busse abzuwenden, da die Firma unter Beobachtung des US DoJ stand. Soll heissen: der durchschnittliche Mitarbeiter sah den Sinn der Sache nicht.
In meinem jetzigen Umfeld sind unser Ruf sowie unser ethisches und korrektes Arbeiten überlebenswichtig. Als Ratingagentur müssen und wollen wir in Sachen Unabhängigkeit, Unvoreingenommenheit und Fairness ein Vorbild sein. Das bedeutet für mich, dass ich weniger mit Onlineschulungen, dafür viel mehr mit direktem Kontakt und Gesprächen mit allen Mitarbeitenden arbeite. Für uns ist Compliance letztlich das, was “unter dem Strich” steht – basierend auf unserer Firmenkultur und der Art und Weise wie wir arbeiten.
Der Lehrgang bringt Menschen aus unterschiedlichen Unternehmen und Funktionen zusammen. Wie haben Sie den Austausch mit den anderen Teilnehmenden erlebt und was haben Sie daraus mitgenommen?
Für mich war es sehr bereichernd, in andere Lebenswelten eintauchen zu können. Ich lebe in meiner kleinen Welt und sehe, dass der Kollege aus dem Kernkraftwerk und die Kollegin beim Staat ähnliche Probleme haben wie ich – einfach in anderen Umgebungen. Auch wenn vieles, was hier besprochen wird, theoretisch klingt, ist die Übersetzung auf das Kernkraftwerk, die Behörde oder meine kleine Ratingagentur enorm spannend. Der Abgleich mit den Kolleginnen und Kollegen ist da nicht nur interessant, sondern auch sehr lehrreich.
Wenn Sie an den Lehrgang zurückdenken: Was werden Sie vermutlich auch in einigen Jahren noch nicht vergessen haben?
Neben bestimmten Methoden oder Praktiken, die in meinem Umfeld funktionieren, werde ich sicherlich in Erinnerung behalten, wie enthusiastisch viele Referierende über ihr Thema gesprochen haben. Wenn man merkt, dass ein Referent für sein Thema “brennt” und dies auch vermitteln kann, ist man wie hypnotisiert und vollkommen im Thema. Von diesen Referierenden gab es doch einige und das ist ein grosses Plus.
Miranda Diggelmann, Programm Managerin Law & Management, führte das Gespräch mit Christoph Domeisen, Compliance Officer bei der fedafin AG