{"id":42,"date":"2017-10-09T11:03:21","date_gmt":"2017-10-09T09:03:21","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?p=42"},"modified":"2018-04-12T15:26:29","modified_gmt":"2018-04-12T13:26:29","slug":"was-wir-aus-dem-schlaraffenland-ueber-oekonomie-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/was-wir-aus-dem-schlaraffenland-ueber-oekonomie-lernen","title":{"rendered":"Was wir aus dem Schlaraffenland \u00fcber \u00d6konomie lernen"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr moderne Gesellschaften ist das Schlaraffenland scheinbar weit weniger faszinierend, weil uns kein Hunger und Durst mehr plagt. Heisst das, dass der Traum in Erf\u00fcllung gegangen ist und wir heute tats\u00e4chlich im Schlaraffenland leben? Wir haben einmal ein paar Freunde und Kollegen gefragt. Niemand war der Meinung, im Schlaraffenland zu leben, auch wenn es uns im Vergleich etwa zum Mittelalter oder zu \u00e4rmeren Entwicklungsl\u00e4ndern doch \u201everdammt gut\u201c geht. Allerdings plagen uns heutige Menschen in den westlichen L\u00e4ndern doch wirklich kein Hunger und Durst. Und wir haben sicher auch nicht die Sehnsucht, dreimal mehr zu essen als wir das t\u00e4glich tun. Es w\u00e4re nat\u00fcrlich schon spektakul\u00e4r, wenn uns die gebratenen H\u00fchnchen in den Mund fliegen w\u00fcrden; aber ehrlich betrachtet w\u00e4re der Reiz hiervon recht bald verflogen.<\/p>\n<p>Was also macht es denn eigentlich aus, dass wir trotz allem nicht den Eindruck haben, im Schlaraffenland leben, obwohl es uns doch so gut geht? Die Antwort auf diese Frage liefert eine fundamentale Einsicht in die wirtschaftlichen Grundprobleme einer Gesellschaft. \u00dcberlegen Sie am besten erst einmal selbst, was Ihr Leben vom Leben im Schlaraffenland unterscheidet\u2026<\/p>\n<p>Wie sehen Wirtschaftswissenschaftler den Unterschied zwischen unserem modernen Leben in Reichtum und dem Schlaraffenland?<\/p>\n<blockquote><p>Im eigenen Leben kennt (fast?) jede und jeder von uns unerf\u00fcllte W\u00fcnsche. Und sie sind der Grund, warum wir nicht im Schlaraffenland leben!<\/p><\/blockquote>\n<p>Unerf\u00fcllte W\u00fcnsche f\u00fchren uns zu dem, was die Wirtschaftswissenschaftler das Prinzip der Knappheit nennen. Es w\u00e4re sch\u00f6n, viel mehr Freizeit zu geniessen, um mehr Zeit f\u00fcr Hobbies, Familie und vielleicht noch ein weiteres Studium zu haben. Aber das bedeutet gleichzeitig, zu weniger Prozenten zu arbeiten und ein geringeres Einkommen in Kauf zu nehmen. Wir m\u00fcssen somit auf andere Dinge verzichten, die wir uns ebenfalls \u201ew\u00fcnschen\u201c! Im genannten Beispiel ist es Zeit, die knapp ist und die uns zwingt, Entscheidungen zu treffen und abzuw\u00e4gen, was uns wichtig ist. In der Sprache der \u00d6konomen ist Zeit ein Beispiel einer knappen Ressource. Auch Einkommen und Verm\u00f6gen sind f\u00fcr die meisten von uns knappe Ressourcen. Wer hat nicht den Traum, sich etwas anzuschaffen, das sie oder er sich nur leisten kann, wenn auf etwas anderes verzichtet wird? Vielleicht geht der Ferrari auf Kosten einer wundersch\u00f6nen Eigentumswohnung im gr\u00fcnen Aussenbezirk der Grossstadt X. Und wenn Ihnen wie uns der Ferrari nichts bedeutet, dann gibt es sicher an seiner Stelle etwas anderes, vielleicht eine besonders gute Privatschule f\u00fcr die Kinder\u2026 Permanent sind wir also mit knappen Ressourcen wie Zeit und Einkommen oder Verm\u00f6gen konfrontiert und m\u00fcssen l\u00e4stige Entscheide treffen, die auf Abw\u00e4gungen beruhen.<\/p>\n<p>Mehr vom einen bedeutet weniger vom andern: das ist kurz gefasst die Maxime f\u00fcr jene, die ausserhalb des Schlaraffenlandes leben. Sie sind zum Abw\u00e4gen verdammt. Und was f\u00fcr einzelne Individuen zutrifft, das gilt auch f\u00fcr ganze Gesellschaften. Es w\u00e4re sch\u00f6n, allen Mitgliedern der Gesellschaft einen grossz\u00fcgigen Lebensstandard zu garantieren, die beste Schulbildung zu vermitteln, die beste medizinische Versorgung, und die beste Kultur noch obendrauf. Im Schlaraffenland w\u00e4re das in einem Augenaufschlag alles schon passiert. Niemand hat dort weniger, weil eine andere mehr hat. Das Schlaraffenland ist perfekt egalit\u00e4r! Kein Land ist fairer als das Schlaraffenland! Aber w\u00fcrde uns das wirklich gl\u00fccklich machen? Wir h\u00e4tten keine Visionen und Ziele, die es unter Anstrengung zu erreichen gilt. Wir h\u00e4tten keine M\u00f6glichkeit mehr, uns sozial zu vergleichen und zu verankern. Wahrscheinlich k\u00e4me uns der Sinn des Lebens abhanden.<\/p>\n<p>Kommen wir zur\u00fcck in die Welt der Nichtschlaraffenl\u00e4nder: Hier kommt man um l\u00e4stige Abw\u00e4gungen nicht herum. Mehr Einkommensunterst\u00fctzung f\u00fcr diejenigen, die in einer modernen Marktwirtschaft ein unterdurchschnittliches Einkommen erwirtschaften, bedeutet mehr Steuern f\u00fcr diejenigen mit einem hohen Einkommen und mehr Leute bei der staatlichen Administration, welche die Umverteilung in der Praxis ausf\u00fchren (inklusive mehr Kontrolle von Steuerhinterziehung). Einmal mehr sind wir als Gesellschaft zum Abw\u00e4gen gezwungen.<\/p>\n<p>Die Volkswirtschaftslehre ist die Lehre von genau diesen Abw\u00e4gungen. Sie untersucht einerseits, wie Menschen diese Abw\u00e4gungen vornehmen. Andererseits versucht sie zu helfen, diese Abw\u00e4gungen rational vorzunehmen. Und damit ein wichtiges Fachwort noch gefallen ist: \u00d6konominnen nennen diese Abw\u00e4gungen Tradeoffs. Die \u00d6konomie ist also die Lehre von rationalen Tradeoffs. Individuen, Firmen, Gesellschaften: Alle m\u00fcssen sie sich den Tradeoffs stellen, die durch knappe Ressourcen unabdingbar sind!<\/p>\n<p>Aber das war jetzt vielleicht eine etwas umst\u00e4ndliche Erkl\u00e4rung der Wirtschaftswissenschaften. Das Bild des Schlaraffenlandes l\u00e4sst dies viel plastischer ausdr\u00fccken: \u00d6konomie ist die Wissenschaft, die sich damit besch\u00e4ftigt, wie man ausserhalb des Schlaraffenlandes \u00fcberlebt. In den Universit\u00e4ten des Schlaraffenlandes gibt es vielleicht die germanistische, die philosophische und die filmwissenschaftliche Fakult\u00e4t. Aber die wirtschaftswissenschaftliche Fakult\u00e4t sucht man dort vergebens!<\/p>\n<p>Hier finden Sie <a href=\"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/die-geschichte-von-econvillage-und-econvillage100\">Teil II,<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/das-anonyme-niemandssystem-von-econvillage100-und-seine-entwicklung\">Teil III<\/a>\u00a0und <a href=\"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/haben-sie-schon-mal-markt-gemalt\">Teil IV<\/a> dieser Serie.<\/p>\n  \n  <div class=\"box right courses\">\n          <div class=\"course clickable\">\n        <h5>Executive School Studiengang:<\/h5>\n        <div class=\"terms\">\n          MBA &amp; Executive MBA<br>        <\/div>\n\n        <h4>\n          <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/emba.unisg.ch\/programme\/emba\">Executive MBA HSG<\/a>        <\/h4>\n\n        <div class=\"description\">\n          Der Executive MBA der Universit\u00e4t St.Gallen (EMBA HSG) ist das \u00e4lteste und erfolgreichste Nachdiplomstudium im Bereich General Management im deutschsprachigen Raum.        <\/div>\n      \n      <\/div>\n        <\/div>\n  \n<p><em>Zur \u00d6konomie ausserhalb des Schlaraffenlandes mehr in einem n\u00e4chsten Beitrag. Hat Sie der Beitrag etwas zum Denken angeregt? Oder noch nicht genug? Dann hier noch etwas mehr Stoff\u2026 Sie treffen eine Person, welcher materieller Wohlstand nichts bedeutet. Abgesehen von Basisbed\u00fcrfnissen. Die Person besch\u00e4ftigt sich vielleicht mit spirituellen Dingen, macht Yoga oder ist sehr religi\u00f6s und engagiert sich stark in der Kirche. Heisst das, dass diese Person keine wirtschaftlichen Abw\u00e4gungen machen muss? Lebt diese Person im Schlaraffenland?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Bild: Corinne Bromundt<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n            <div id=\"mailerlite-form_2\" data-temp-id=\"69f9ee543bb25\">\n                <div class=\"mailerlite-form\">\n                    <form action=\"\" method=\"post\">\n                                                    <div class=\"mailerlite-form-title\"><h3>Don't miss our updates<\/h3><\/div>\n                                                <div class=\"mailerlite-form-description\"><p>Don't miss our updates - sign up to our weekly newsletter.<\/p>\n<\/div>\n                        <div class=\"mailerlite-form-inputs\">\n                                                                                            <div class=\"mailerlite-form-field\">\n                                    <label for=\"mailerlite-2-field-email\">Email<\/label>\n                                    <input id=\"mailerlite-2-field-email\"\n                                  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Besonders in landwirtschaftlich gepr\u00e4gten Zeiten, in denen k\u00f6rperlich hart gearbeitet wurde und es trotzdem l\u00e4ngst nicht selbstverst\u00e4ndlich war, satt zu werden, \u00fcbte das Schlaraffenland eine besondere Faszination aus. Sp\u00e4ter wurde mit diesem Bild der Grossadel verh\u00f6hnt: Dieser lebt wie im Schlaraffenland, ist aber faul und kr\u00fcmmt keinen Finger.<\/p>\n","school":false},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42"}],"collection":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/188"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}