{"id":2348,"date":"2023-10-23T17:45:10","date_gmt":"2023-10-23T15:45:10","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog?p=2348"},"modified":"2023-10-23T17:45:10","modified_gmt":"2023-10-23T15:45:10","slug":"was-kuenstliche-intelligenz-im-rechtsmarkt-und-die-frauenfussball-wm-gemeinsam-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/was-kuenstliche-intelligenz-im-rechtsmarkt-und-die-frauenfussball-wm-gemeinsam-haben","title":{"rendered":"Was k\u00fcnstliche Intelligenz im Rechtsmarkt und die Frauenfussball-WM gemeinsam haben"},"content":{"rendered":"<p>Die Frauenfussball-WM 2023 hat diesen Sport schlagartig auf ein neues Level gehoben. Dies k\u00f6nnte das Schl\u00fcsselereignis f\u00fcr einen Entwicklungssprung gewesen sein. Frauenfussball hat weltweit eine bisher nie gekannte Akzeptanz und eine Welle der Begeisterung ausgel\u00f6st. Nach all den Jahren, in denen der Frauenfussball auf dem Spielfeld nur zweitrangig war, scheint er nun endg\u00fcltig aus dem Schatten des M\u00e4nnerfussballs herausgetreten zu sein und eine eigene Daseinsberechtigung zu beanspruchen. Welche Faktoren genau diesen entscheidenden Funken ausl\u00f6sten, bleibt noch zu analysieren.<\/p>\n<p>Und im Rechtsmarkt? In den letzten Jahren wurde das Thema #LegalTech mit unterschiedlicher Intensit\u00e4t aufgegriffen. Es entstanden Konferenzen, eine Art Orchideenfach f\u00fcr Begeisterte, eine enthusiastische Start-up Szene und gewisse Anw\u00e4lte f\u00fchlten sich gar als Softwareentwickler berufen. So richtig aber scheint Legal Tech nicht wirklich durchgestartet zu sein. Eine Ver\u00e4nderungswelle im grossen Stil scheint der digitale Wandel bisher noch nicht ausgel\u00f6st zu haben, und von einer #disruptiven Wirkung ist man noch weit entfernt. Dies k\u00f6nnte sich jedoch mit der Einf\u00fchrung von ChatGPT ge\u00e4ndert haben. Damit ist ein Geist aus der Flasche entwichen, der in Windeseile und gleichzeitig alle Branchen und Berufsgruppen in allen L\u00e4ndern schlagartig ins Rampenlicht gezogen hat \u2013 auch die Rechtsdienstleister. Es gibt nun eine neue Dynamik, und es werden vertiefte Diskussionen in der Breite gef\u00fchrt. So prognostiziert zum Beispiel @Goldman Sachs, dass mit k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) 44% der juristischen Arbeit automatisiert werden k\u00f6nnte (<a href=\"https:\/\/www.key4biz.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Global-Economics-Analyst_-The-Potentially-Large-Effects-of-Artificial-Intelligence-on-Economic-Growth-Briggs_Kodnani.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.key4biz.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Global-Economics-Analyst_-The-Potentially-Large-Effects-of-Artificial-Intelligence-on-Economic-Growth-Briggs_Kodnani.pdf\">hier<\/a>). KI k\u00f6nnte ein #Game Changer im Rechtsmarkt sein.<\/p>\n<p>Es lohnt sich in diesem Zusammenhang ein Blick auf den Begriff #Emergenz zu werfen. Der Duden spricht von Emergenz einerseits beim \u00abAuftreten neuer, nicht voraussagbarer Qualit\u00e4ten beim Zusammenwirken mehrerer Faktoren\u00bb. Man kann nun dar\u00fcber r\u00e4tseln, warum gerade diese Frauenfussball-WM bzw. erst ChatGPT diesen pl\u00f6tzlichen Schub an Aufmerksamkeit durch die Massen erfahren hat, obwohl beide schon vorher bestanden. Fakt ist, dass sich die M\u00e4nner im Fussball neu mit mehr #Konkurrenz anfreunden m\u00fcssen, weil bald doppelt so viele Teams um die gleichen Sponsoren buhlen werden. Ebenso wird sich dank KI die Qualit\u00e4t der Rechtsdienstleistung verbessern. Das Wort Emergenz hat gem\u00e4ss Duden aber noch eine weitere Bedeutung, die insbesondere im Zusammenhang mit KI mehr Aufmerksamkeit verdient: Der Begriff bezeichnet auch den Umstand, \u00abwonach h\u00f6here Seinsstufen durch neu auftauchende Qualit\u00e4ten aus niederen entstehen\u00bb. Das wird man der KI sp\u00e4testens dann attestieren, wenn sie ein Bewusstsein entwickelt, d.h. einen Seinszustand erreicht, der bisher nur Menschen vorbehalten war \u2013 (#Singularit\u00e4t). Dieses Stadium ist heute noch Zukunftsmusik. Beiden Definitionen gemeinsam ist jedoch, dass sie nicht nur zu einem leicht optimierten Ergebnis f\u00fchren, sondern das Potenzial zur echten #Transformation besitzen.<\/p>\n<p>Bereits im April 2021, also noch vor dem grossen Hype um ChatGPT, haben das Europ\u00e4ische Parlament und der Rat einen Vorschlag f\u00fcr eine\u00a0<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=CELEX%3A52021PC0206\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=CELEX%3A52021PC0206\">Verordnung zur Festlegung harmonisierter Vorschriften f\u00fcr k\u00fcnstliche Intelligenz<\/a>\u00a0erlassen, d.h. das Gesetz ist noch nicht beschlossene Sache. Je nach Interessengruppe wird diese neue #Regulierung Freud oder Leid ausl\u00f6sen. Unternehmen und damit auch ihre Rechtsabteilungen sind bekanntlich nicht sonderlich erfreut \u00fcber mehr Regulierung, da diese regelm\u00e4ssig zu kostenintensiven \u00c4nderungen und Anpassungen im Tagesgesch\u00e4ft zwingt. Externe Rechtsberater hingegen freuen sich dar\u00fcber, weil sie neuen #Beratungsbedarf schaffen und damit f\u00fcr zus\u00e4tzlichen #Umsatz und #Wachstum sorgen.<\/p>\n<p>Aber das ist zu kurz gedacht. KI erlaubt eine bisher ungeahnte #Effizienzsteigerung, #Qualit\u00e4tsverbesserung und schnellere #Performance. Kunden werden von ihren Lieferanten vermehrt die Nutzung von technologischen L\u00f6sungen verlangen, weil die Unternehmen selbst KI ohnehin in ihre Wertsch\u00f6pfungskette integrieren m\u00fcssen (#Kundenorientierung). Mit dem heutigen #Gesch\u00e4ftsmodell von #Grosskanzleien wird dies prim\u00e4r dazu f\u00fchren, dass weniger Zeitaufwand pro Mandat generiert werden kann (#Stundenhonorar). Die Kanzleien werden auch weniger junge Associates im bisherigen Stil besch\u00e4ftigen, die ihre Lehrjahre in Datenr\u00e4umen abverdienen und damit auch weniger \u00abAusbildungsstunden\u00bb abrechnen k\u00f6nnen, d.h. sie k\u00f6nnten f\u00fcr Anwaltskanzleien schliesslich zu teuer werden (#Leverage). Die gute Nachricht ist jedoch, dass der Bericht von Goldman Sachs auch best\u00e4tigt, dass gerade in der Beratungsindustrie viele #neue Jobs entstehen werden. Welche das sein werden, wird sich noch zeigen.<\/p>\n<p>Die Kanzleien werden sich an die neuen Rahmenbedingungen anpassen m\u00fcssen, da ihre Mandanten bereits KI einsetzen und dies auch von ihren Gesch\u00e4ftspartnern fordern werden. Sie werden sich die Frage nach der #Positionierung stellen (#Strategieentwicklung) und ihr #Erl\u00f6smodell \u00fcberdenken m\u00fcssen (#Business Model). Die Associates werden \u2013 unabh\u00e4ngig von den laufenden Diskussionen rund um #New Work, #Homeoffice und #Work-Life-Balance \u2013 anders entwickelt und gef\u00fchrt werden m\u00fcssen (#Leadership). Sie werden von ihren Kunden lernen, was sie mit KI machen k\u00f6nnen und entsprechend nachziehen m\u00fcssen. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum nicht auch #Rechtsabteilungen die n\u00e4chste Stufe der technischen Evolution mitmachen m\u00fcssen, allenfalls teilweise mit leicht angepassten Vorzeichen. Sie werden von ihren internen Kunden den #Druck ohnehin erhalten, sich weiterzuentwickeln, und sie werden diesen nat\u00fcrlich ungefiltert (auch) an ihre externen Lieferanten weiterreichen.<\/p>\n<p>KI stellt eine #globale Herausforderung dar, die an keiner Branche ungeschehen vorbeiziehen wird. Zu argumentieren, dass die KI (noch) nicht gut genug ist, ist der falsche Ansatz, weil dies graduell passieren wird, so wie sich Autos, Laptops und Mobiltelefone laufend weiterentwickeln. Es ist auch m\u00fcssig, dar\u00fcber zu debattieren, ob in Zukunft digitalisierte Roboter den humanen Anwalt ersetzen werden. Es geht also nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Miteinander. Anpassungsdruck ist vielmehr von anderswo zu erwarten, das heisst von diejenigen Jurist:innen, die die neuen Technologien wie z.B. KI in ihre Arbeitswelt einbauen. Die wirkliche Konkurrenz kommt also nicht von der Technologie selbst, sondern von den anderen Rechtsdienstleistern, die die Technologie nutzenstiftend in ihre Arbeit integrieren.<\/p>\n<p>Wenn Sie weitere Impulse suchen,\u00a0<a href=\"https:\/\/es.unisg.ch\/de\/blog\/schlagwort\/bmas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/es.unisg.ch\/de\/blog\/schlagwort\/BMas\/\">hier\u00a0<\/a>finden Sie meine weiteren Posts zu verschiedenen Themen zum Rechtsmarkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frauenfussball-WM 2023 hat diesen Sport schlagartig auf ein neues Level gehoben. Dies k\u00f6nnte das Schl\u00fcsselereignis f\u00fcr einen Entwicklungssprung gewesen sein. Frauenfussball hat weltweit eine bisher nie gekannte Akzeptanz und eine Welle der Begeisterung ausgel\u00f6st. 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Das hat sich jedoch in den letzten Monaten ge\u00e4ndert: Mit #ChatGPT im November 2022 und der #Frauenfussball-Weltmeisterschaft im Sommer 2023 in Australien\/Neuseeland k\u00f6nnte ein Wendepunkt erreicht sein, von dem es kein Zur\u00fcck mehr gibt.<\/p>\n","school":{"ID":6,"post_author":"1","post_date":"2017-07-11 10:24:26","post_date_gmt":"2017-07-11 08:24:26","post_content":"Law &amp; Management bietet Weiterbildungen an der Schnittstelle zwischen Recht und Betriebswirtschaft. 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