{"id":2322,"date":"2023-10-23T16:59:04","date_gmt":"2023-10-23T14:59:04","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog?p=2322"},"modified":"2023-10-23T17:30:38","modified_gmt":"2023-10-23T15:30:38","slug":"goodbye-typische-juristenlaufbahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/goodbye-typische-juristenlaufbahn","title":{"rendered":"Goodbye typische Juristenlaufbahn?"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Rechtsabteilung als Inkubator<\/strong><\/p>\n<p>Viele Jurist:innen in der Rechtsabteilung verfolgen, zumindest anf\u00e4nglich, die klassische Karriere: Sie arbeiten sich intern hoch, das heisst vom In-house Counsel zum Teamleader, Assistant General Counsel, Regional General Counsel bis zum Group General Counsel. Und da Jurist:innen oft als kluge und breit ausgebildete Generalisten wahrgenommen werden, kommt es nicht selten vor, dass andere Unternehmensfunktionen und -bereiche sich entsprechend gerne in der Rechtsabteilung nach neuen Talenten umsehen. Das kommt insbesondere jenen Jurist:innen entgegen, die neugierig und offen f\u00fcr neue Herausforderungen sind.<\/p>\n<p>So kann ich mich gut daran erinnern, wie ich fr\u00fcher bei der Anstellung neuer Jurist:innen in der Rechtsabteilung von Bewerbern regelm\u00e4ssig danach gefragt wurde, wie die Entwicklungsm\u00f6glichkeiten in der Rechtsabteilung aussehen. Ich konnte dann mit echten Beispielen zeigen, wie Kolleg:innen aus der Rechtsabteilung nicht nur den klassischen juristischen Karriereweg verfolgten, sondern sich erfolgreich in verschiedene andere Richtungen ins Unternehmen hinein weiterentwickelt haben. So zum Beispiel als Verwaltungsratssekret\u00e4r, Compliance Officer, Risikomanager, Operations Manager oder gar CEO einer Tochtergesellschaft. Eine Rechtsabteilung kann deshalb sehr wohl auch als eine Art Inkubator f\u00fcr Talente im Unternehmen angesehen werden.<\/p>\n<p><strong>2. Wie sieht die Karriere in einer Kanzlei heute aus?<\/strong><\/p>\n<p>Auch spannend sind die Entwicklungsm\u00f6glichkeiten ausserhalb einer Rechtsabteilung. Schaut man in klassische Anwaltskanzleien, sieht die traditionelle Karriere wie folgt aus: Sommerpraktikum, Associate, Senior Associate, Junior Partner oder Principal Counsel, Senior Partner und Managing Partner. Auch wenn sich gewisse Wirtschaftsanw\u00e4lt:innen noch immer mit dem klassischen Curriculum ausstatten (Bachelor, Master, Anwaltspatent, Doktorat, LL.M. oder MBA, Fachanwalt) ist heute nichts mehr in Stein gemeisselt. Oft gehen viele Associates bewusst nur noch f\u00fcr zwei Jahre in eine (namhafte) Kanzlei, um erste Erfahrungen zu sammeln und f\u00fcr den CV. Bei Kanzleien mit einem Up-or-out-Modell verlassen die meisten Associates die Kanzlei ohnehin wieder.<\/p>\n<p>Aber auch in Kanzleien hat sich mittlerweile die Situation ver\u00e4ndert. Heute werden untypische Ver\u00e4nderungen nicht mehr argw\u00f6hnisch angesehen. Associates wechseln regelm\u00e4ssig nicht nur zu anderen Kanzleien, sondern auch in die Rechtsabteilung, werden dort Teamleader oder gar direkt General Counsel. Dank der gelebten Durchl\u00e4ssigkeit wechseln sie bei Bedarf auch wieder zur\u00fcck in eine Anwaltskanzlei oder gehen in die \u00f6ffentliche Verwaltung.<\/p>\n<p><strong>3. Changemanagement bleibt zentral!<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt heute also keine typischen Einbahnstrassen mehr. Es ist praktisch alles m\u00f6glich und es gibt faktisch kaum mehr Schranken. Dies ist bereits aus praktischen Gr\u00fcnden notwendig, denn mit dem schon l\u00e4nger andauernden Talent- und Fachkr\u00e4ftemangel kann man sich als Arbeitgeber weder falsche D\u00fcnkel noch k\u00fcnstliche Zugangsbeschr\u00e4nkungen leisten. Als Arbeitgeber muss man Optionen bieten, um dem Wunsch nach individueller Karriere nachzukommen, und offen sein f\u00fcr New Work, Arbeits-und Arbeitsplatzflexibilit\u00e4t, Homeoffice, Agilit\u00e4t, etc.<\/p>\n<p>Dennoch d\u00fcrfen insbesondere Arbeitnehmende nicht vergessen, dass keine Medaille d\u00fcnn genug ist, um nicht zwei Seiten aufzuweisen. Die Mitarbeitenden m\u00fcssen aus der gebotenen F\u00fclle von Optionen selber w\u00e4hlen und sind damit selbst f\u00fcr ihre Zukunft verantwortlich. Und anschliessend m\u00fcssen sie ihren eigenen Changemanagementprozess im Griff haben. Denn mit jedem Wechsel, erst recht bei \u00abBr\u00fcchen\u00bb in der Berufsentwicklung, ist der Aufwand gross, um erfolgreich zu sein, und dieser Wechsel muss bewusst und selbst gemanagt werden.<\/p>\n<p><strong>4. Ergebnis: Viel mehr Freiheiten?<\/strong><\/p>\n<p>Ja! Auf den ersten Blick hat sich Vieles ver\u00e4ndert und man hat mit der neuen Durchl\u00e4ssigkeit viel mehr Freiheiten gewonnen. Mit mehr Freiheit kommt aber auch mehr Verantwortung, d.h. mit jedem kleineren oder gr\u00f6sseren Berufs- bzw. Arbeitgeberwechsel ist man selbst f\u00fcr das eigene Gl\u00fcck verantwortlich.<\/p>\n<p><em>F\u00fcr weitere Impulse hierzu vgl. Mascello Bruno, Legal Counsel im Unternehmen: Entwicklungsm\u00f6glichkeiten und Karriere, in: Falta Roman P.\/Dueblin Christian (Hrsg.), Praxishandbuch Legal Operations Management, Heidelberg 2017, S. 589\u2013604).<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00dcber uns<\/strong><\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsbereich \u00abLaw &amp; Management\u00bb der Executive School der Universit\u00e4t St.Gallen (HSG) bietet seit 2007 auf allen Stufen (Wochenseminare, CAS, DAS, Master) aktuell acht Themengebiete als offene Programme und massgeschneiderte Inhouse-Angebote an. Bisher haben mehr als 1600 Teilnehmende die laufend aktualisierten und erweiterten offenen Weiterbildungsformate besucht. Das 2021 eingef\u00fchrte umfassende Weiterbildungsformat ist ein klares Bekenntnis zum lebenslangen Lernen, indem neu alle Kurse konsequent modular aufgebaut sind sowie zeitlich flexibel und gem\u00e4ss individuellen Bed\u00fcrfnissen zusammengestellt werden k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus werden folgende Weiterbildungsziele verfolgt: vielf\u00e4ltige Karriere-Perspektiven und -Optionen kennenlernen, Netzwerke auf- und ausbauen, neue Methoden und Tools erschliessen und generell die eigenen Horizonte erweitern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Rechtsabteilung als Inkubator Viele Jurist:innen in der Rechtsabteilung verfolgen, zumindest anf\u00e4nglich, die klassische Karriere: Sie arbeiten sich intern hoch, das heisst vom In-house Counsel zum Teamleader, Assistant General Counsel, Regional General Counsel bis zum Group General Counsel. 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Es ist auch m\u00f6glich, die berufli-che Entwicklung ausserhalb weiterzuverfolgen und wieder zur\u00fcckzukehren. Das gilt gleich-ermassen auch f\u00fcr Kanzleianw\u00e4lt:innen und Jurist:innen in der \u00f6ffentlichen Verwaltung. Kommt man also erst sp\u00e4ter zum Schluss, dass man etwas verpasst hat oder fr\u00fcher lieber anders abgebogen w\u00e4re, kann man das heute gut nachholen.<\/p>\n","school":{"ID":6,"post_author":"1","post_date":"2017-07-11 10:24:26","post_date_gmt":"2017-07-11 08:24:26","post_content":"Law &amp; Management bietet Weiterbildungen an der Schnittstelle zwischen Recht und Betriebswirtschaft. 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