{"id":2187,"date":"2022-05-18T10:54:12","date_gmt":"2022-05-18T08:54:12","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?p=2187"},"modified":"2022-06-17T17:26:23","modified_gmt":"2022-06-17T15:26:23","slug":"people-analytics-der-entschluesselte-mitarbeitende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/people-analytics-der-entschluesselte-mitarbeitende","title":{"rendered":"People Analytics &#8211; der entschl\u00fcsselte Mitarbeitende"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/www.es.unisg.ch\/de\/programme\/people-analytics\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">People Analytics-Anwendungen<\/a> halten immer mehr Einzug in Unternehmen. Dies ist nicht nur eine Reaktion auf die Ver\u00e4nderungen, die sich in der entgrenzten Arbeitswelt im Zuge von COVID-19 ergeben haben. Die Nachfrage wird auch von der Idee angetrieben, dass personalwirtschaftliche Entscheidungen, die auf mitarbeiterbezogenen Daten und Analysen beruhen, effektiver und genauer sind als solche, die prim\u00e4r auf Intuition, Erfahrung oder pers\u00f6nlicher Empfehlung beruhen. Gem\u00e4ss einer Studie von Deloitte erachten rund 85% der befragten Unternehmen mitarbeiterbezogene Daten als wichtig und nur drei Prozent glauben, dass sie die Daten bereits ausreichend auswerten und nutzen. Dieser Trend scheint also \u00abgemachte Sache\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aber halt! Die reine Sammlung und Analyse mitarbeiterbezogener Daten reicht bei Weitem nicht aus, damit People Analytics entscheidender Treiber der Business Excellence wird. Es braucht mehr, und Schlagworte wie &#8222;Algorithmic Discrimination&#8220;, &#8222;Taylorismus 4.0&#8220;, &#8222;Data Gold Rush&#8220; oder &#8222;Big Brother&#8220; verdeutlichen anschaulich, wie People Analytics das Arbeitsleben der Mitarbeitenden, ihren einzigartigen Wertbeitrag und die Unternehmenskultur als Ganzes gef\u00e4hrden kann. An der HSG forscht das Institut f\u00fcr Arbeit und Arbeitswelten rund um Prof. Dr. Antoinette Weibel und Dr. Simon Schafheitle seit 6 Jahren intensiv zu diesen Themen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Grund f\u00fcr dieses Innehalten sind die vielfach nicht intendierten oder nicht absehbaren Folgen vor allem f\u00fcr die Mitarbeitenden, die die Anwendung von People Analytics mit sich bringt. Wissenschaftlich formuliert bedeutet der Einsatz von People Analytics n\u00e4mlich die sogenannte Datafizierung der Mitarbeitenden, also die \u00dcbersetzung des individuellen Wertbeitrags der Mitarbeitenden, ihrer Pers\u00f6nlichkeit sowie der Qualit\u00e4t ihrer sozialen Beziehungen in Nullen und Einsen. Der Begriff \u00abgl\u00e4serne Mitarbeitende\u00bb klang bis anhin wie Science-Fiction, ist es aber nicht \u2013 mehr. Wir wissen bereits, dass Algorithmen besser in der Lage sind, gro\u00dfe Datenmengen exakter, schneller und weniger fehleranf\u00e4llig zu bearbeiten als wir Menschen. Neu ist aber, dass intelligente People Analytics-Anwendungen eben nicht nur genau messen, sondern auch eigenst\u00e4ndig evaluieren und Schlussfolgerungen daraus ziehen k\u00f6nnen \u2013 und das sogar ohne Einbezug von F\u00fchrungskr\u00e4ften. Amazon\u2019s \u00abfiring-by-algorithm Politik\u00bb, also der automatisierte Rausschmiss, f\u00fchrt es uns dramatisch vor Augen. Weniger drastisch ist beispielsweise die App \u00abHumu\u00bb, die eigenst\u00e4ndig sogenannte \u00abbehavioral nudges\u00bb an F\u00fchrungskr\u00e4fte sendet, um sie beim Leistungsfeedback zu unterst\u00fctzen. Im Vorfeld eines Meetings analysiert die App beispielsweise die Datenspuren der Teilnehmenden (bspw. E-Mails, Telefonate, URL-\/LogFile Histories) und sendet der F\u00fchrungskraft im Vorfeld Handlungsempfehlungen zum Beispiel zu welchen Themen sie welche Fragen stellen sollte oder welche Art von Feedback f\u00fcr gewisse Teilnehmende geeignet w\u00e4re, wie ein Strategic HR Review Journal festh\u00e4lt. \u00c4hnlich hierzu analysiert der Algorithmus \u00abCorti\u00bb, wie ein Artikel aus &#8222;The Verge&#8220; belegt, das Telefongespr\u00e4ch in Notfallnummern, um den Mitarbeitenden Hilfestellung bei der Frage \u00abob es wirklich so ernst ist wie es geschildert wird\u00bb zu bieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit Blick auf die letzten beiden Beispiele treten die Vorteile von People Analytics klar zutage: Richtig eingesetzt kann ein digitales Tool eine enorme Arbeitserleichterung darstellen, auf die individuellen Bed\u00fcrfnisse der Mitarbeitenden eingehen und so auch die Effizienz der Arbeitsabl\u00e4ufe steigern. Auch kann die Zusammenarbeit zwischen Kolleg:innen erleichtert werden. Dazu braucht es aber Transparenz, Freiwilligkeit, massgeschneiderte L\u00f6sungen sowie eine F\u00fchrungskraft, die die unausweichlichen Dilemmata des Technologieeinsatzes erkennt und, im Zweifel beherzt zu den Mitarbeitenden steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Licht wirft zwangsl\u00e4ufig auch Schatten &#8211; der Faktor Mensch geh\u00f6rt beim Einsatz von People Analytics ins Zentrum der Betrachtung. Die Mitarbeitenden werden durch die neuen Technologien zwangsl\u00e4ufig transparenter \u2013 doch wollen sie das? Wollen sie sich immer mehr zur Schau stellen? M\u00f6chten sie dem Vorgesetzten \u00aballes\u00bb \u00fcber sich preisgeben? Der Schuss kann f\u00fcr Unternehmen schnell \u00abnach hinten losgehen\u00bb. Wird der sogenannte Buy-in der Mitarbeitenden nicht zum Pr\u00fcfstein des Erfolgs von People Analytics oder geschieht dies nur halbherzig, k\u00f6nnen sich Mitarbeitende schnell weigern, neue Technologien zu nutzen, innerlich k\u00fcndigen, oder sich vielmehr anstrengen, vor dem Algorithmus gut dazustehen, statt sich den tats\u00e4chlichen Arbeitsinhalten zu widmen. Es ist also wichtig, dass sie auch Momente des \u00absich unbeobachtet F\u00fchlens\u00bb haben, wie das Journal Academy of Management Annals feststellt. Denn wer m\u00f6chte schon im \u00abBig Brother\u00bb-Haus sitzen. Wenn T\u00e4tigkeiten komplex werden, in hohem Mass implizites Wissen erfordern oder Teamarbeit im Mittelpunkt steht, muss der Einsatz von Datafizierung und Automatisierung besonders kritisch begleitet werden. J\u00fcngst experimentieren beispielsweise asiatische Forschende mit dem Einsatz von People Analytics Technologien in der K\u00f6nigsdisziplin der Business Excellence. Gem\u00e4ss dem &#8222;The Wall Street Journal&#8220; sollen mithilfe von EEG-Analysen Muster in den K\u00f6pfen der C-Suite Manager identifiziert werden, um so auf Automatisierungspotential in der Corporate Governance zu schlie\u00dfen. Ein Roboter als CEO? Die Bewertung eines solchen Szenarios, stellen wir Ihnen, liebe Leserschaft, gerne anheim. Der Einsatz von People Analytics erfordert also viel Fingerspitzengef\u00fchl, das Rei\u00dfbrett hat in jedem Fall ausgedient und es braucht F\u00e4higkeiten von F\u00fchrungskr\u00e4ften und Mitarbeitenden gleicherma\u00dfen, die h\u00e4ufig erst im Implementierungsprozess zu Tage treten. Sind sie gewappnet f\u00fcr den Einsatz von People Analytics in Ihrem Unternehmen oder m\u00f6chten mehr zum Thema erfahren? Dann empfehlen wir die Weiterbildung <a href=\"https:\/\/www.es.unisg.ch\/de\/programme\/people-analytics\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00abPeople Analytics &#8211; People Analytics &#8211; Trust and Leadership in the Digital Era\u00bb<\/a><\/p>\n<p>Der Beitrag wurde erstmalig auf <a href=\"https:\/\/jobs.nzz.ch\/ratgeber\/artikel\/868\/people-analytics-der-entschluesselte-mitarbeitende\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">jobs.nzz.ch<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>People Analytics-Anwendungen halten immer mehr Einzug in Unternehmen. Dies ist nicht nur eine Reaktion auf die Ver\u00e4nderungen, die sich in der entgrenzten Arbeitswelt im Zuge von COVID-19 ergeben haben. Die Nachfrage wird auch von der Idee angetrieben, dass personalwirtschaftliche Entscheidungen, die auf mitarbeiterbezogenen Daten und Analysen beruhen, effektiver und genauer sind als solche, die prim\u00e4r [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":2216,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false},"categories":[555,550,21],"tags":[],"acf":{"excerpt":"<p>People Analytics gewinnt in Unternehmen zunehmend an Bedeutung f\u00fcr Business Excellence. Wer etwas auf sich h\u00e4lt, setzt zunehmend Technologie f\u00fcr das People Management ein \u2013 meist geleitet vom Gedanken, Personalentscheidungen aller Art \u00abbesser\u00bb zu machen. Was sich in den letzten Jahren vor allem im angels\u00e4chsischen Raum verbreitet hat, etabliert sich auch langsam in Schweizer Unternehmen. Dabei hat der \u00abgl\u00e4serne\u00bb Mitarbeitende nicht nur Vorteile. Was gilt es bei der Einf\u00fchrung und Anwendung von People Analytics zu beachten?<\/p>\n","school":{"ID":6,"post_author":"1","post_date":"2017-07-11 10:24:26","post_date_gmt":"2017-07-11 08:24:26","post_content":"Law &amp; Management bietet Weiterbildungen an der Schnittstelle zwischen Recht und Betriebswirtschaft. Die Angebote richten sich sowohl an Juristen, die sich Managementkenntnisse aneignen wollen, als auch an F\u00fchrungskr\u00e4fte mit dem Bed\u00fcrfnis nach Kenntnissen im Wirtschaftsrecht.","post_title":"Law & Management","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"law-management","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2017-11-21 11:38:26","post_modified_gmt":"2017-11-21 10:38:26","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?post_type=school&#038;p=6","menu_order":3,"post_type":"school","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2187"}],"collection":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2187"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2187\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2216"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2187"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2187"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}