{"id":2140,"date":"2022-01-26T15:36:32","date_gmt":"2022-01-26T14:36:32","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?p=2140"},"modified":"2022-01-26T15:36:32","modified_gmt":"2022-01-26T14:36:32","slug":"future-skills-for-lawyers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/future-skills-for-lawyers","title":{"rendered":"Future Skills for Lawyers"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">In einem fr\u00fcheren <a href=\"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/drei-must-have-skill-sets-fuer-anwaelte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> wies ich bereits auf drei \u00abmust have\u00bb Skills f\u00fcr Anw\u00e4lt*innen hin: <b>nicht juristisches<\/b> <b>Wissen<\/b>, <b>Managementkenntnisse<\/b> und <b>beziehungsrelevante Kompetenzen<\/b>. Ich m\u00f6chte hier die kombinierte Anforderung nach Sach-, Sozial- und Selbstkompetenzen anhand von vier k\u00fcrzlichen Umfragen vertiefen.<\/p>\n<p class=\"StandardohneAbstand\"><b>Ein Blick auf vier Studien<\/b><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">Die Zukunft der Arbeit wird gem\u00e4ss einer <a href=\"Pearson\/Nesta\/Oxford Martin School, The Future of Skills, Employment in 2030, 2017\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a> durch folgende Trends bestimmt: Nachhaltigkeit in der Umwelt, Urbanisierung, zunehmende Ungleichheiten und politischen Ungewissheiten, technologischer Wandel, Globalisierung und demografische Ver\u00e4nderung. Anhand von 120 berufsbezogenen Merkmalen (Fertigkeiten, F\u00e4higkeiten und Kenntnisse)<i> <\/i>wurde f\u00fcr jeden Beruf bestimmt, ob er k\u00fcnftig noch erforderlich sein wird (a.a.O., S. 31). Die gute Nachricht zumindest f\u00fcr Jurist*innen und Richter*innen in den USA ist, dass f\u00fcr sie k\u00fcnftig eine grosse Nachfrage prognostiziert wird (a.a.O., S. 44 und 95).<\/p>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">Schaut man sich <a href=\"https:\/\/www.realwire.com\/writeitfiles\/01469_OSBS_Future_Skills_7.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine andere Umfrage<\/a> bei Studierenden aus den USA, den UK, S\u00fcdafrika und China an, besitzen Jurist*innen ausbildungsbedingt bereits die wichtigste Kompetenz: Probleme l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Doch bereits bei den folgenden vier F\u00e4higkeiten zeigt sich wohl eher Handlungsbedarf: Kommunikationsf\u00e4higkeit, Entscheidungs-, F\u00fchrungs- und Strategiekompetenz.<\/p>\n<p class=\"StandardohneAbstand\"><span lang=\"EN-US\">In einem Report aus 2021 von <\/span><span lang=\"EN-US\"><a href=\"https:\/\/www.mckinsey.com\/industries\/public-and-social-sector\/our-insights\/defining-the-skills-citizens-will-need-in-the-future-world-of-work\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">McKinsey&amp;Company<\/a><\/span><span lang=\"EN-US\">\u00a0werden vier Kategorien und 56 Basis-Skills unterschieden. <\/span>Der Fokus liegt auch hier auf kritischem Denken und guten Kommunikations-Skills, Team- und Beziehungsf\u00e4higkeiten, Selbstkompetenz und digitalen Kompetenzen. Ferner wurde festgestellt, dass gewisse Skills mit einer h\u00f6heren Wahrscheinlichkeit korrelieren, k\u00fcnftig eine Arbeit zu haben (z.B. Anpassungsf\u00e4higkeit und Bew\u00e4ltigung von Unsicherheiten), ein h\u00f6heres Einkommen zu erzielen (z.B. Selbstvertrauen) und eine gr\u00f6ssere Arbeitszufriedenheit aufzuweisen (z.B. Selbstmotivation). Dies sind alles Punkte, die auch f\u00fcr Jurist*innen relevant sind.<\/p>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">Schliesslich unterscheidet der 2021 <a href=\"https:\/\/pages.coursera-for-business.org\/rs\/748-MIV-116\/images\/coursera-global-skills-report-2021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Global Skills Report von Coursera<\/a> die folgenden drei Skills: Business, Technology und Data. Hier wird offenbar ein besonderes Augenmerk auf die Kompetenzen im Umgang mit Daten und Technologie gelegt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">Aus all diesen Studien kann man unter anderem folgende relevante Ergebnisse ableiten:<\/p>\n<p class=\"StandardohneAbstand\"><b>Wissensarbeit bleibt zentral<\/b><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">Versteht man Jurist*innen als Wissensarbeiter, werden sie weiterhin gefragt bleiben. Um interessant zu bleiben, muss ihre Fachexpertise jedoch in verschiedener Hinsicht angereichert werden, um den Kundennutzen zu erh\u00f6hen. Nur mit juristischem Wissen allein wird man es im Wettbewerb schwer haben.<\/p>\n<p class=\"StandardohneAbstand\"><b>Business und Management \u2013 ein Evergreen<\/b><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">Kanzleien und Rechtsabteilungen m\u00fcssen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten gef\u00fchrt werden. Die Zeiten sind vorbei, als Juristen den Aufwand bestimmten und Rechtsrat \u00abzu jedem Preis\u00bb produzieren durften. Der Blickwinkel wird sich von einer Input- zu einer Output-orientierten Perspektive verschieben. Basiskenntnisse in Themen wie Strategie, Gesch\u00e4ftsmodelle, Operations- und Projektmanagement werden wichtiger. Entsprechend werden auch Finanzkenntnisse relevant, um den eigenen Betrieb effizienter zu f\u00fchren, die Kunden besser zu verstehen und damit einen passenderen Rechtsrat zu erbringen.<\/p>\n<p class=\"StandardohneAbstand\"><b>Leadership \u2013 wenn die menschliche Ressource z\u00e4hlt<\/b><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">Im Herbst 2021 las man insbesondere in den USA vermehrt Schlagzeilen, die sich nur einem Thema zu widmen schienen: den Sal\u00e4ren der Berufseinsteiger*innen und den bezahlten Boni, um damit den \u00abWar for Talent\u00bb f\u00fcr sich zu gewinnen (Attraction\u00a0statt Attrition). Dieser Ansatz verlangt zwar rudiment\u00e4re Finanzkenntnisse, hinterl\u00e4sst aber Fragen bez\u00fcglich Leadership \u2013 ausser nat\u00fcrlich man geht davon aus, dass Jurist*innen lediglich mit Geld zu gewinnen und motivieren sind. Gerade in der heutigen Zeit, in welcher sich Unternehmen vermehrt auch mit Fragen ihrer Kund*innen zu Nachhaltigkeit (z.B. ESG) konfrontiert sehen, reichen sie diese Anforderung an ihre Lieferanten (z.B. Anwaltskanzleien) weiter. Dies sollte auch in der Personalf\u00fchrung ber\u00fccksichtigt werden. Es geht dabei nicht zuletzt um Fragen der Einstellung und Werte (Stichwort: Purpose), die insbesondere f\u00fcr j\u00fcngere Mitarbeitende immer wichtiger werden, und wie man sich als Arbeitgeber nach aussen darstellt bzw. wahrgenommen wird. Eine zunehmend komplexere Zusammensetzung der Mitarbeitenden (u.a. Alter, Geschlecht, Herkunft, Ausbildung, Werte) stellen ver\u00e4nderte und steigende Anforderungen an die Personalf\u00fchrung. Dies verlangt insbesondere auch kultur\u00fcbergreifende Aufmerksamkeit und ein hohes Mass an emotionaler Intelligenz und Empathie.<\/p>\n<p class=\"StandardohneAbstand\"><b>Technische F\u00e4higkeiten und Datenkompetenz (Data Analytics)<\/b><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">Technologie ist gekommen, um zu bleiben. Die Pandemie hat dies nicht nur eindr\u00fccklich best\u00e4tigt, sondern vielmehr verst\u00e4rkt. Es geht dabei nicht darum, per E-Mail kommunizieren und die letzten Gerichtsentscheide im Internet suchen zu k\u00f6nnen. Sie m\u00fcssen vielmehr die neuen, digitalen Gesch\u00e4ftsmodelle und die Relevanz von Technik und Daten f\u00fcr ihre Kunden besser verstehen und beurteilen k\u00f6nnen, um basierend darauf die von ihnen erwartete juristische Einsch\u00e4tzung n\u00fctzlich einbringen zu k\u00f6nnen. Ist dieser erste Schritt gemacht, kann man sich anschliessend auch noch \u00fcberlegen, welche Arbeiten in der eigenen juristischen Wertsch\u00f6pfungskette digitalisiert oder ausgelagert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"StandardohneAbstand\"><b>Ausblick<\/b><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"StandardohneAbstand\">Die schlechte Nachricht f\u00fcr Jurist*innen besteht zun\u00e4chst darin, dass die anspruchsvolle und auch zeitlich lange juristische Ausbildung nur das Eintrittsticket darstellt, um in der Rechtsberatung t\u00e4tig zu sein. Exzellenz als juristischer Berater erzielt man anschliessend nicht nur durch die grosse berufliche Erfahrung, sondern auch durch einen kontinuierlichen Ausbau der eigenen Wissenskompetenz in die Breite. Um die eigene Arbeitsmarktf\u00e4higkeit zu erhalten wird k\u00fcnftig also mehr als nur gerade die obligate Weiterbildung in juristischen F\u00e4chern erwartet werden. Das f\u00fchrt direkt zur guten Nachricht: Auf diese Weise werden eine Vielzahl von Jurist*innen mit unterschiedlichen Skills hervorgehen, die sich nicht nur an den Noten der juristischen Studienf\u00e4cher messen und vergleichen lassen wollen. Die Zukunft des ganzen Rechtsmarkts wird farbiger und komplexer werden, und das sowohl hinsichtlich der Rekrutierung von Jurist*innen als auch in der Auswahl der juristischen Berater*innen durch die Kunden. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Jurist*innen werden mindestens \u00abmore for the same\u00bb bieten m\u00fcssen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem fr\u00fcheren Artikel wies ich bereits auf drei \u00abmust have\u00bb Skills f\u00fcr Anw\u00e4lt*innen hin: nicht juristisches Wissen, Managementkenntnisse und beziehungsrelevante Kompetenzen. Ich m\u00f6chte hier die kombinierte Anforderung nach Sach-, Sozial- und Selbstkompetenzen anhand von vier k\u00fcrzlichen Umfragen vertiefen. 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