{"id":213,"date":"2017-11-02T11:47:47","date_gmt":"2017-11-02T10:47:47","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog?p=213"},"modified":"2017-11-22T16:42:13","modified_gmt":"2017-11-22T15:42:13","slug":"die-euphorie-um-die-neue-10-franken-note","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/die-euphorie-um-die-neue-10-franken-note","title":{"rendered":"Die Euphorie um die neue 10-Franken-Note"},"content":{"rendered":"<p>Bereits eine Woche vor der eigentlichen Lancierung der neuen 10-Franken-Note hat die Nationalbank in einer ausgiebigen Medienkonferenz die dritte Note der j\u00fcngsten Serie der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. Das mediale Interesse war riesig: Das neue Design, das neue Format und die neusten Sicherheitsmerkmale standen dabei besonders im Fokus der Berichterstattung. Zus\u00e4tzlich wurde prominent darauf hingewiesen, bei welchen Instituten die neue Banknote am 18. Oktober 2017 bezogen werden kann. Warum wird in der Schweiz jeweils die Lancierung einer neuen Banknote mit so viel Euphorie und Vorfreude begleitet, zumal es sich doch eigentlich nur um ein Mittel zum Zweck handelt?<\/p>\n<p><strong>Schweizer Franken geniesst Kultstatus<\/strong><br \/>\nDie Beziehung der Schweizer zu ihrem Bargeld ist einzigartig. Noch heute machen Barzahlungen in der Schweiz trotz alternativen Zahlungsmitteln wie Kredit- und Debitkarten wertm\u00e4ssig rund die H\u00e4lfte des Umsatzes an Verkaufspunkten aus. Rund vier von f\u00fcnf Transaktionen werden hierzulande bar abgewickelt. Das sind H\u00f6chstst\u00e4nde verglichen mit anderen westlichen Volkswirtschaften. Es gibt zudem auf der Welt keine wertm\u00e4ssig gr\u00f6ssere Note als den 1000-Franken-Schein, die F\u00e4lschungssicherheit der Noten geh\u00f6rt vergleichsweise zu den h\u00f6chsten und die Werthaltung des Schweizer Frankens ist \u00e4usserst best\u00e4ndig. Insgesamt geniesst der Schweizer Franken bzw. das Bargeld Kultstatus.<\/p>\n<p>Bargeld ist das letzte verbleibende Zahlungsmittel, das den Wert in physischer Form \u00fcbertr\u00e4gt, daher ist es greifbar und sichtbar. Diese hohe Transparenz wird von vielen Konsumenten gesch\u00e4tzt, da sie die Budget- und Ausgabenkontrolle stark erleichtert. Zudem sind Bargeldzahlungen direkt an den Konsum gekn\u00fcpft, was den \u00abSchmerz des Bezahlens\u00bb erh\u00f6ht und damit das extensive und impulsive Kaufverhalten mindert. Mit Bargeld sind auch viele positive Emotionen verbunden, welche durch historisch bedingte kognitive Assoziationen im Lauf der Zeit hervorgerufen wurden, und damit den Gebrauch von Bargeld f\u00f6rdern. Der Einsatz von Bargeld basiert daher vielfach auf Gewohnheiten und Automatismen. Die Anonymit\u00e4t von Bargeld wirkt dabei noch unterst\u00fctzend.<\/p>\n<p><strong>Beliebtheit von Bargeld in der Schweiz<\/strong><br \/>\nDaneben ist die hohe Beliebtheit von Bargeld in der Schweiz damit zu erkl\u00e4ren, dass es noch keine fl\u00e4chendeckende Akzeptanz von Bankkarten gibt und Bargeld damit das einzige gesetzliche Zahlungsmittel bleibt. Um die ungem\u00fctliche Situation zu vermeiden, bei einem Kauf weder auf Bankkarten noch auf zu wenig Bargeld im Portemonnaie zur\u00fcck greifen zu m\u00fcssen, f\u00fchren viele Konsumenten als Vorsichtsmassnahme sehr hohe Bargeldbest\u00e4nde mit sich. Aus ihrer Optik ist die Nutzung von Bargeld &#8211; verglichen mit bspw. Bankkarten &#8211; gratis, was zu erh\u00f6htem Gebrauch f\u00fchrt, obwohl aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive Bargeld hohe soziale Kosten verursacht (z.B. durch Druck, Vertrieb, Lagerung etc.).<\/p>\n<p>Untersuchungen zeigen, dass mit abnehmenden Zahlungsbetrag vermehrt mit Bargeld gezahlt wird, wo es bei Kleinstbetr\u00e4gen sogar am kosteneffizientesten ist. Mit anderen Worten betr\u00e4gt der durchschnittliche Kaufbetrag mit Bargeld rund 20 Franken, denn vielfach werden verderbliche statt langlebige Produkte mit Bargeld bezahlt, wovon erstere den Nutzen direkt an den Kauf kn\u00fcpfen. Die 10-Franken-Note tr\u00e4gt einen wesentlichen Beitrag bei zur effizienten Kaufabwicklung im Kleinstbetragsbereich, wo die meisten Transaktionen am Verkaufspunkt angesiedelt sind, obwohl sie vielfach jedoch nur als Wechselgeld dient.<\/p>\n<p><strong>Emotionale Aspekte<\/strong><br \/>\nPersonen, welche viele Noten mit kleinem Nennwert (z.B. 10-mal eine 10er Note) halten, geben h\u00e4ufig mehr aus als wenn sie eine Note mit grossem Nennwert und gleichem Betrag (z.B. einmal eine 100er Note) besitzen. Dies weil gr\u00f6ssere Noten mental weniger leicht austauschbar sind als kleinere: Der Besitz einer 100er Note vergisst man weniger schnell als derjenige einer 10er Note. Ausserdem werden kleinere Betr\u00e4ge stets in Banknoten bevorzugt als ein etwas gr\u00f6sserer Betrag in M\u00fcnzen. Die 10-Franken-Note als kleinste St\u00fcckelung bietet akkurat an der Schwelle zum F\u00fcnfliber deshalb die gr\u00f6ssten Vorteile.<\/p>\n<p>Bargeld ist folglich nicht nur Mittel zum Zweck, sondern vielfach mit emotionalen Aspekten verbunden, die \u00fcber den alleinigen Austausch von G\u00fctern und Dienstleistungen hinausgehen, sei es beispielsweise aufgrund der Identifikation mit der \u00abvielseitigen Schweiz\u00bb, sei es aufgrund eines innovativen Produkts und Kunstobjekts oder sei es aufgrund der M\u00f6glichkeit der Wertaufbewahrung. Bargeld bietet einen Hauch von Freiheit, innerhalb der Schweiz unabh\u00e4ngig zu sein. Die Lancierung der letzten verbleibenden drei Notenwerte (200-, 1000- und 100-Franken-Note) der neuen Serie wird deshalb wieder \u00e4hnlich hohe Wellen schlagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Beitrag ist erstmalig erschienen auf der <a href=\"https:\/\/www.unisg.ch\/de#!\/lightbox\/https:\/\/www.unisg.ch\/de\/wissen\/newsroom\/aktuell\/rssnews\/meinung\/2017\/oktober\/tobias-truetsch-uber-die-neue-10-franken-note-17oktober2017\">Website der Universit\u00e4t St.Gallen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits eine Woche vor der eigentlichen Lancierung der neuen 10-Franken-Note hat die Nationalbank in einer ausgiebigen Medienkonferenz die dritte Note der j\u00fcngsten Serie der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. Das mediale Interesse war riesig: Das neue Design, das neue Format und die neusten Sicherheitsmerkmale standen dabei besonders im Fokus der Berichterstattung. 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