{"id":1586,"date":"2020-04-03T11:02:58","date_gmt":"2020-04-03T09:02:58","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?p=1586"},"modified":"2020-04-03T11:02:58","modified_gmt":"2020-04-03T09:02:58","slug":"wie-ein-simples-oder-zum-innovationskiller-im-rechtsmarkt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wie-ein-simples-oder-zum-innovationskiller-im-rechtsmarkt-wird","title":{"rendered":"Wie ein simples \u00aboder\u00bb zum Innovationskiller im Rechtsmarkt wird"},"content":{"rendered":"<p>Anw\u00e4lte sind bin\u00e4r und konfrontativ konditioniert: Entweder eine Rechtsnorm erfasst einen Sachverhalt oder nicht, man muss klagen oder nicht, man kriegt recht oder nicht, man muss zahlen oder nicht, richtig oder falsch, sie oder wir. Und mit dem Aufkommen von Rechtsabteilungen wurde bereits die weitere Frage gestellt: \u00abMake or buy?\u00bb, mache ich also etwas selber oder kaufe ich die Leistung extern bei Kanzleien oder Dritten ein? Und heute, mit zunehmender Digitalisierung auch im Rechtsmarkt, kommt bereits die n\u00e4chste Herausforderung auf Juristen zu: menschlicher Anwalt oder Maschine?<\/p>\n<p>Die letzte Frage muss zwingend zu einem defensiven Abwehrreflex in der Anwaltschaft f\u00fchren. Das muss niemanden \u00fcberraschen, denn auch Anw\u00e4lte wollen nicht ersetzbar sein. Und Schuld daran ist einzig ein kleines Wort, das \u00aboder\u00bb. Es verursacht, dass die Technologie als Gegner qualifiziert wird, gegen den es anzuk\u00e4mpfen gilt, was ganz zuf\u00e4lligerweise dem anerzogenen Naturell von Anw\u00e4lten entspricht. Aus Angst vor Ver\u00e4nderungen wird (bewusst) ein Nebenkriegsschauplatz er\u00f6ffnet, um vom wirklichen Entscheid abzulenken. Dies erfolgt \u00fcberdies in der irrigen Meinung, dass solange man sich nicht selber ver\u00e4ndert, der Kunde und der Markt das auch nicht machen werden. Aber es gibt kein \u00abright of first refusal\u00bb, die Ver\u00e4nderung wird auch ohne Einverst\u00e4ndnis der Anw\u00e4lte stattfinden.<\/p>\n<p>Zu argumentieren, man lasse sich erst auf die Digitalisierung im Rechtsmarkt ein, wenn sie fehlerfrei funktioniere, zeigt die Verweigerungshaltung. Erlauben Sie mir, den Fehler in dieser \u2013 menschlich zwar durchaus nachvollziehbaren aber dennoch widerspr\u00fcchlichen \u2013 Logik an zwei Beispielen aufzuzeigen. Schauen wir uns zun\u00e4chst einmal unsere Mobilit\u00e4t an: Wenn wir Anw\u00e4lte darauf warten wollten, bis eine Technik 100% sicher ist, w\u00fcrden wir heute weder fliegen noch Auto fahren. Denn jeder von uns weiss bestens, dass noch immer Flugzeuge unplanm\u00e4ssig abst\u00fcrzen und Unf\u00e4lle geschehen.<\/p>\n<p>Versuchen wir uns als zweites Beispiel die Situation vorzustellen, wo es um die Beurteilung der R\u00f6ntgenbilder Ihrer Lunge ginge. Von wem w\u00fcrden Sie diese lieber ausgewertet haben, vom Arzt oder einer Maschine? Die meisten werden intuitiv den Arzt w\u00e4hlen, weil es schliesslich um eine h\u00f6chstpers\u00f6nliche und sehr sensible Angelegenheit geht. Dieser Entscheid ist bestens nachvollziehbar, aber rational falsch: Denn der Arzt mag bisher vielleicht nur ein paar Dutzend solcher R\u00f6ntgenbilder gesehen haben, und auch das wohl nur unregelm\u00e4ssig. Die Maschine kennt aber in jedem Augenblick Millionen solcher R\u00f6ntgenbilder und ist damit selbst jedem Spezialisten haushoch \u00fcberlegen. Warum also dieses unlogische Ergebnis? Wegen einer kleinen Gemeinheit, die ich in meiner Frage versteckt hatte: dem unscheinbaren Wort \u00aboder\u00bb. Denn die f\u00fcr Sie beste L\u00f6sung best\u00fcnde darin, die Maschine die erste Auswertung machen und sie dann durch den Arzt plausibilisieren, und am Ende das Ergebnis \u2013 v.a. bei schlechten Resultaten \u2013 durch einen hoffentlich empathischen Arzt pers\u00f6nlich \u00fcbermitteln zu lassen.<\/p>\n<p>Genau diesen Ansatz sollten wir auch im Rechtsmarkt anwenden. Es geht also vielmehr um make <em>and<\/em> buy bzw. um Anwalt <em>und<\/em> Maschine. Lassen wir andere Anbieter bzw. die Maschinen die Arbeiten machen, f\u00fcr die sie besser geeignet sind als der menschliche Anwalt. Und konzentrieren wir Anw\u00e4lte uns darauf, wo wir die besseren Kompetenzen besitzen. Das erm\u00f6glicht uns, statt konfrontativ bzw. alternativ zu denken vielmehr konstruktiv bzw. kooperativ gemeinsam nach optimalen L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten zu suchen. Das kann der \u00d6ffnung des Geistes <em>und <\/em>zum Finden neuer Ideen <em>und<\/em> zur Implementierung von Innovationen <em>und<\/em> zur Bew\u00e4ltigung von damit zusammenh\u00e4ngenden Ver\u00e4nderungen nur f\u00f6rderlich wirken.<\/p>\n<p>Starten Sie den Selbstversuch und ersetzen Sie das gern verwendete Killerargument \u00aboder\u00bb durch ein \u00abund\u00bb. Das wird zu differenzierteren und f\u00fcr alle Beteiligten besseren Ergebnissen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Information: Dieser Artikel wurde auf <a href=\"https:\/\/www.smartlegalmarket.com\/en\/artikel\/wie-ein-simples-oder-zum-innovationskiller-im-rechtsmarkt-wird\">smartlegalmarket.com<\/a> publiziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anw\u00e4lte sind bin\u00e4r und konfrontativ konditioniert: Entweder eine Rechtsnorm erfasst einen Sachverhalt oder nicht, man muss klagen oder nicht, man kriegt recht oder nicht, man muss zahlen oder nicht, richtig oder falsch, sie oder wir. 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