{"id":1520,"date":"2020-03-30T22:05:48","date_gmt":"2020-03-30T20:05:48","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?p=1520"},"modified":"2020-03-31T10:53:29","modified_gmt":"2020-03-31T08:53:29","slug":"eine-gute-fuehrungskraft-zeichnet-sich-nicht-durch-vollzeit-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/eine-gute-fuehrungskraft-zeichnet-sich-nicht-durch-vollzeit-aus","title":{"rendered":"\u00abEine gute F\u00fchrungskraft zeichnet sich nicht durch Vollzeit aus\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Kathrin Ott vom Competence Centre for Diversity &amp; Inclusion (CCDI) an der Universit\u00e4t St.Gallen sprach mit Daniel Eugster, CEO der CAP Rechtsschutz. CAP hat aktuell drei Topsharings. Als Vorgesetzter sieht Daniel Eugster die Vorteile besch\u00f6nigt aber auch nicht die Herausforderungen, die dieses Modell mit sich bringt.<\/p>\n<p><strong>Ott<\/strong>: Sie sind ein starker Bef\u00fcrworter von Job- bzw. Topsharing. War das immer schon so?<\/p>\n<p><strong>Eugster<\/strong>: Ich bin ein Bef\u00fcrworter von Teilzeitmodellen, sofern das Tagesgesch\u00e4ft, der Kundenkontakt oder organisatorische Gr\u00fcnde dies nicht einschr\u00e4nken. Es ist eine Chance, gute Mitarbeitende zu bekommen oder \u00fcberhaupt im Unternehmen halten zu k\u00f6nnen. Das erste Topsharing-Modell in der CAP wurde dann auch von zwei teilzeitarbeitenden Juristinnen vorgeschlagen und nicht von mir initiiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ott<\/strong>: Die CAP ist eine Vorreiterin. 2012 gab es die erste Topsharing-Position, mittlerweile sind es drei. Wie konnten die damaligen Bewerberinnen Sie f\u00fcr dieses Modell \u00fcberzeugen? F\u00f6rdern Sie heute aktiv Topsharing? Wenn ja, wie?<\/p>\n<p><strong>Eugster<\/strong>: 2012 hatten wir eine Vakanz auf einer F\u00fchrungsposition. Zwei langj\u00e4hrige Mitarbeiterinnen, die anfangs 100% und sp\u00e4ter aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden Teilzeit bei uns arbeiteten, unterbreiteten mir den Vorschlag des Topsharings. Ich konnte mir diese Option durchaus vorstellen, bat die beiden Mitarbeiterinnen im Rahmen des \u00fcblichen Rekrutierungsprozesses aber, ein Konzept auszuarbeiten, das sich unter anderem mit Fragen rund um die F\u00fchrungsarbeit, die Entscheidungsfindung im Tagesgesch\u00e4ft oder die Konsequenzen eines m\u00f6glichen Ausscheidens einer Co-Leiterin auseinandersetzt. Es ging dabei nicht nur um die konkrete Bewerbungssituation, sondern auch um einen Leitfaden f\u00fcr das damals neue Modell und f\u00fcr allf\u00e4llig weitere Co-Leitungen. Wir hatten ja bis dato keinerlei Erfahrungen mit einer geteilten F\u00fchrungsverantwortung. Das Konzept wurde in den letzten Jahren weiterentwickelt.<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich bin ich der Ansicht, dass Mitarbeitende selber den ersten Schritt machen m\u00fcssen, wenn es um Weiterbildungen oder weitere Karriereschritte geht. Erst danach stellt sich die Frage der Form und hier sind wir sicherlich offen, verschiedene Modelle zu diskutieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ott<\/strong>: Welche Voraussetzungen m\u00fcssen Personen mitbringen, um eine Stelle erfolgreich zu teilen?<\/p>\n<p><strong>Eugster<\/strong>: Es setzt sicherlich die Bereitschaft voraus, F\u00fchrung zu teilen. Das bedeutet, sich viel mehr abzustimmen und auszutauschen. Zudem sollte die Chemie zwischen den beiden Personen grunds\u00e4tzlich stimmen. Das heisst nicht, dass sie \u00e4hnliche Typen sein m\u00fcssen, sondern vielmehr, dass sie gut zusammenarbeiten k\u00f6nnen und bereit sind, andere Meinungen zuzulassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ott<\/strong>: Haben Sie auch Beispiele, wo Topsharing nicht erfolgreich war?<\/p>\n<p><strong>Eugster<\/strong>: Das erste CAP-Topsharing-Duo arbeitet seit rund 7 Jahren erfolgreich in gleicher Zusammensetzung. Eine andere, heutige Co-Leitung arbeitete schon seit Jahren im Jobsharing zusammen, bevor die beiden Personen vor etwas mehr als einem Jahr gemeinsam eine F\u00fchrungsstelle \u00fcbernommen haben. Dies war ein reibungsloser \u00dcbergang. Das neueste Topsharing besteht seit wenigen Monaten, weshalb ein Fazit zu fr\u00fch ist. Aber es zeichnet sich auch hier eine positive Geschichte ab. Die Antwort ist daher: nein, wir haben noch keine negativen Erfahrungen gemacht, ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ott<\/strong>: Welche Vorteile sehen Sie als Vorgesetzter in geteilten Positionen?<\/p>\n<p><strong>Eugster<\/strong>: Meines Erachtens qualifiziert sich eine potentiell geeignete F\u00fchrungskraft nicht dadurch, dass sie Vollzeit arbeitet. Insofern sehe ich eine grosse Chance, auch gute F\u00fchrungskr\u00e4fte einsetzen zu k\u00f6nnen, die aufgrund ihrer aktuellen Lebenssituation nicht 80%-100% arbeiten k\u00f6nnen oder wollen. Es ist eine Chance f\u00fcr Mitarbeitende, Karriere und Familienleben unter einen Hut zu bringen. Andererseits profitiert ein Unternehmen vom Know-how und dem Potential von zwei Mitarbeitenden. Und sicherlich f\u00fchrt es auch dazu, dass sich Mitarbeitende st\u00e4rker mit dem Unternehmen identifizieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ott<\/strong>: Welches sind die Schwierigkeiten und Nachteile, mit denen Sie als Vorgesetzter bei diesem Modell konfrontiert sind?<\/p>\n<p><strong>Eugster<\/strong>: Die Herausforderungen bzw. Unsicherheiten bestanden vor allem am Anfang und konkret beim ersten Topsharing-Team. Es waren kleinere Fragen, die wir kl\u00e4ren mussten, z. B.: Muss ich darauf achten, dass ich immer beiden gleichzeitig eine Information zukommen lasse? F\u00fchlt sich eine Person, die abwesend ist, ausgeschlossen, wenn ich zuf\u00e4lligerweise mit der anderen Person mehr Gespr\u00e4che zu Tagesgesch\u00e4ftsthemen habe, die nicht warten k\u00f6nnen? Wie halten wir ein Jahresend- oder Zwischengespr\u00e4ch ab; je einzeln oder zusammen? Oder ein Teil getrennt und der andere zusammen? Wir haben dies dann angesprochen und f\u00fcr alle Fragen entsprechende L\u00f6sungen gefunden. Eine offene Kommunikation ist sicher der Schl\u00fcssel f\u00fcr den Erfolg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ott<\/strong>: K\u00f6nnen die F\u00fchrungskr\u00e4fte mit geteilten Pensen diese auch tats\u00e4chlich einhalten oder arbeiten sie nicht doch 100% &#8211; einfach aufgeteilt auf drei oder vier Tage?<\/p>\n<p><strong>Eugster<\/strong>: Ja, grunds\u00e4tzlich sind die Pensen einhaltbar. Es verlangt aber eine gute Organisation, fixe Arbeitstage, Eigendisziplin und viel Kommunikation. Bislang sind mir noch keine Beschwerden zu Ohren gekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ott<\/strong>: Welchen Rat geben Sie Unternehmen, die bis jetzt noch kein Topsharing anbieten?<\/p>\n<p><strong>Eugster<\/strong>: Frei nach dem Motto der Allianz: Mut heisst machen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/ccdi-unisg.ch\/de\">\u00dcber das Competence Centre for Diversity &amp; Inclusion\u00a0<\/a><br \/>\n<\/strong>Das Competence Centre for Diversity &amp; Inclusion ist Teil der Forschungsstelle f\u00fcr Internationales Management an der Universit\u00e4t St. Gallen (FIM-HSG). Das Competence Centre betreibt innovative Forschung im Bereich Diversity und Inklusion (D&amp;I) und bietet Unternehmen gezielte Unterst\u00fctzung, Beratung sowie Training um D&amp;I organisationsintern zu st\u00e4rken und zu managen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.cap.ch\/de\/privatkunden.html\"><strong>\u00dcber die CAP Rechtsschutz\u00a0<\/strong><\/a><br \/>\n1925 in Genf gegr\u00fcndet, ist die CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG die \u00e4lteste Rechtsschutzversicherung der Schweiz. Heute geh\u00f6rt sie zu den drei gr\u00f6ssten Anbietern auf dem Schweizer Markt f\u00fcr Rechtsschutzversicherungen. Die CAP bietet modulare Rechtsschutzprodukte f\u00fcr Private, Unternehmen, Vereine und Unternehmen an. An acht Standorten in der ganzen Schweiz stehen den Kunden kompetente Rechtsdienste zur Verf\u00fcgung, welche sie in den versicherten Rechtsf\u00e4llen beraten und unterst\u00fctzen. Der Hauptsitz befindet sich in Wallisellen. Die CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber Daniel Eugster, CEO CAP Rechtsschutz<\/strong><br \/>\nDer Jurist Daniel Eugster ist seit 1998 bei der CAP Rechtsschutz in verschiedenen Funktionen, seit 2008 als CEO. Zuvor war er im Rechtsdienst einer Grossbank t\u00e4tig. Eugster ist verheiratet und hat zwei Kinder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kathrin Ott vom Competence Centre for Diversity &amp; Inclusion (CCDI) an der Universit\u00e4t St.Gallen sprach mit Daniel Eugster, CEO der CAP Rechtsschutz. CAP hat aktuell drei Topsharings. Als Vorgesetzter sieht Daniel Eugster die Vorteile besch\u00f6nigt aber auch nicht die Herausforderungen, die dieses Modell mit sich bringt. Ott: Sie sind ein starker Bef\u00fcrworter von Job- bzw. 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Ist diese Krise vielleicht der Durchbruch f\u00fcr Topsharing-Modelle?<\/p>\n","school":false},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1520"}],"collection":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1520"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1520\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1520"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}