{"id":1183,"date":"2019-08-14T15:57:27","date_gmt":"2019-08-14T13:57:27","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?p=1183"},"modified":"2019-08-14T16:28:10","modified_gmt":"2019-08-14T14:28:10","slug":"bargeldlose-zahlungssysteme-open-air-besucher-geben-mehr-geld-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/bargeldlose-zahlungssysteme-open-air-besucher-geben-mehr-geld-aus","title":{"rendered":"Bargeldlose Zahlungssysteme: Open Air-Besucher geben mehr Geld aus"},"content":{"rendered":"<p>Gem\u00e4ss NZZ am Sonntag werden 1 bis 1,5% der Guthaben von Besuchern an Schweizer Festivals, welche das bargeldlose Prepaidsystem mit Chip kennen, innerhalb von zwei Jahren nicht zur\u00fcckgefordert. Vielfach sind die Restbetr\u00e4ge klein und der R\u00fcckerstattungsprozess zu aufw\u00e4ndig. Das bargeldlose Zahlungssystem an Festivals hat zus\u00e4tzlich das Konsumverhalten ver\u00e4ndert. Beispielsweise sind am Open Air St. Gallen die Ums\u00e4tze seit der Einf\u00fchrung des Cashless-Systems im 2013 gestiegen. Mittlerweile gibt ein Festivalbesucher in St. Gallen durchschnittlich rund 126 Franken aus. Was sind m\u00f6gliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die Mehrausgaben verglichen zu fr\u00fcher, als nur Bargeldzahlungen m\u00f6glich waren? <\/p>\n<p>Aufgrund bargeldloser Zahlungsmittel geben die Menschen mehr aus und ihre Zahlungsbereitschaft steigt, wie die aktuelle Forschung verdeutlicht. Ein Experiment zeigt, dass Personen, die mit Kreditkarte zahlen, gewillt sind doppelt so viel zu bezahlen wie Personen, die bar zahlen. Allgemein steigen die Konsumausgaben, je intransparenter die Zahlung, je tiefer der \u00abSchmerz des Bezahlens\u00bb und je weniger offensichtlich die Verkn\u00fcpfung der Zahlung mit dem Konsum ist. Bargeldlose Zahlungsmittel ver\u00e4ndern das Konsumverhalten auch dahingehend, dass Personen vermehrt impulsive Kaufentscheide treffen, eher ungesunde Lebensmittel und eher langlebige Produkte kaufen (verglichen mit der Bargeldzahlung). <\/p>\n<p>Der Chip am Arm ist zusammen mit kreditbasierten \u00abmobile payments\u00bb diejenige Zahlungsm\u00f6glichkeit unter den g\u00e4ngigsten Zahlungsmitteln beziehungsweise -formen, welche die Ausgaben am meisten beg\u00fcnstigt. Sein Zahlungsvorgang ist intransparent, weil er den Zahlungsbetrag nicht physisch \u00fcbertr\u00e4gt, das heisst der \u00abSchmerz des Bezahlens\u00bb ist tief. Die Kontroll- und Budgetfunktion ist verglichen mit Bargeld mangelhaft. Damit sinkt spezifisch auch f\u00fcr Verk\u00e4ufer an Festivals die Hemmschwelle, einen zu hohen Preis f\u00fcr ihr Angebot zu verrechnen.<\/p>\n<p>Weil Guthaben vorg\u00e4ngig auf den Chip geladen werden muss (prepaid), wird der Konsum r\u00e4umlich und zeitlich stark von der Zahlung getrennt. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen die Besucher die korrekte H\u00f6he ihres zuk\u00fcnftigen Konsums nicht richtig antizipieren. Dies f\u00fchrt vielfach zu einem \u00dcberkonsum beziehungsweise zu einem oder mehrmaligen Aufladen von \u00fcberm\u00e4ssigem Guthaben. Mit anderen Worten ist es fast unm\u00f6glich, den (verhaltens)\u00f6konomisch richtigen Betrag auf den Chip zu laden.<\/p>\n<p>Die Prepaidfunktion f\u00fchrt weiter dazu, dass \u2013 verglichen mit einer \u00abpay-as-you-go\u00bb-Funktion \u2013 die Konsumenten jedoch gr\u00f6ssere Freude am sp\u00e4teren Konsum haben. F\u00fcr viele ist der Betrag bereits abgeschrieben, weshalb sie unbewusst ihren zuk\u00fcnftigen Konsum als kostenlos wahrnehmen (\u00e4hnlich einem Men\u00fc \u00e0 discr\u00e9tion) und der \u00abSchmerz des Bezahlens\u00bb daher minimal ist.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich beg\u00fcnstigt die kontaktlose Bezahlfunktion des Chips das Konsumverhalten. Sie erm\u00f6glicht einen schnellen, unkomplizierten und praktischen Bezahlvorgang, wodurch Warteschlangen minimiert und Ausgaben beg\u00fcnstigt werden. <\/p>\n<p>Die Festivalveranstalter profitieren durch die Einf\u00fchrung von \u00abCashless\u00bb-Systemen also finanziell nicht nur von zur\u00fcckgelassenen Restbetr\u00e4gen, sondern haupts\u00e4chlich auch durch Mehrausgaben der Konsumenten. <\/p>\n<p>Das bargeldlose, in sich geschlossene Chipsystem ist aber auch aus weiteren Gr\u00fcnden f\u00fcr die Veranstalter vorteilhaft: Erstens sind sie betriebswirtschaftlich liquider, weil das Guthaben vorg\u00e4ngig eingezahlt werden muss. Zweitens sinkt das finanzielle Risiko f\u00fcr die Veranstalter und Standbetreiber, denn Bargeld kann immer wieder mal \u00abverschwinden\u00bb (z.B. durch falsche Abrechnung, Betrug, Diebstahl, Verlust etc.). Viertens werden die Kosten des Veranstalters minimiert, die im Zusammenhang mit dem Bargeldhandling anfallen, insbesondere Transaktionskosten hinsichtlich Umtausch, Lagerung, Transport, Versicherung, Wechselgeld und Abrechnung. F\u00fcnftens k\u00f6nnen die Veranstalter und Standbetreiber durch eine detaillierte Datenauswertung der Konsumgewohnheiten ihre Bestellmengen, Lieferketten und Personalplanung optimieren. Auch andere Mehrwerte mithilfe der genauen Konsumdaten sind denkbar.<\/p>\n<p>Zusammenfassend \u00fcberwiegen die Vorteile des bargeldlosen Chipsystems f\u00fcr die Veranstalter. Trotzdem haben einige Festivals von Bargeldlos- wieder auf Bargeldzahlungen umgestellt, weil es einem Kundenbed\u00fcrfnis entspricht. Diesbez\u00fcglich w\u00e4re w\u00fcnschenswert, wenn auch Debit-, Kredit- und mobile Bezahlm\u00f6glichkeiten anwendbar sind.<\/p>\n<p>Mehr zum Zahlungsverhalten der Schweizer Bev\u00f6lkerung im Swiss Payment Monitor 2019.<\/p>\n<p><em>Picture: unsplash <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gem\u00e4ss NZZ am Sonntag werden 1 bis 1,5% der Guthaben von Besuchern an Schweizer Festivals, welche das bargeldlose Prepaidsystem mit Chip kennen, innerhalb von zwei Jahren nicht zur\u00fcckgefordert. Vielfach sind die Restbetr\u00e4ge klein und der R\u00fcckerstattungsprozess zu aufw\u00e4ndig. Das bargeldlose Zahlungssystem an Festivals hat zus\u00e4tzlich das Konsumverhalten ver\u00e4ndert. 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Die Besucher fordern den Restbetrag vielfach nicht zur\u00fcck und geben gleichzeitig mehr aus.<\/p>\n","school":false},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1183"}],"collection":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1183"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1183\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1184"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}