{"id":1068,"date":"2019-06-25T13:42:12","date_gmt":"2019-06-25T11:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?p=1068"},"modified":"2019-06-25T16:33:02","modified_gmt":"2019-06-25T14:33:02","slug":"karriere-und-familie-geht-doch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/karriere-und-familie-geht-doch-nicht","title":{"rendered":"Karriere und Familie geht doch (nicht)!"},"content":{"rendered":"<p>Kennen Sie die bittere Entt\u00e4uschung, wenn sie tief von etwas \u00fcberzeugt sind und die Realit\u00e4t macht einem einen fetten Strich durch die Rechnung? Ich schon! Karriere und Familie \u2013 das l\u00e4uft bei mir parallel. Davon war ich absolut \u00fcberzeugt. Nach der Familiengr\u00fcndung wollte ich graduell wieder einsteigen und somit meine Vollzeitstelle in einer Bank als Client Relationship Manager erstmal f\u00fcr ein paar Monate auf ein Teilzeitpensum k\u00fcrzen. Nein, ich wollte mich nicht nur aufs Muttersein konzentrieren. Und nein, ein schlechtes Gewissen h\u00e4tte ich auch nicht, weil anscheinend mein Team unter meiner Teilzeitt\u00e4tigkeit leiden musste, wie mich einer meiner Vorgesetzten einst gefragt hatte.<\/p>\n<p>Trotzdem geriet ich beruflich allm\u00e4hlich aufs Abstellgleis, unterschwellig und ohne einen offenen Austausch. Wie konnte es eine derartige Ungerechtigkeit nur geben? Ich war ja nicht krank nur, weil ich Nachwuchs hatte. Mein Hirn funktionierte immer noch hervorragend. So f\u00fchrte das eine zum anderen und ich entschloss mich, meinen Job hinzuschmeissen. Heute frage ich mich, ob ich damals mehr h\u00e4tte k\u00e4mpfen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Bye bye Schweiz<\/strong><\/p>\n<p>Es er\u00f6ffnete sich eine spannende Option f\u00fcr unsere Familie. Mein Mann konnte beruflich in Amerika Fuss fassen. So zogen wir mit der ganzen Familie in die USA. Sp\u00e4ter ging es weiter nach Deutschland und nach insgesamt sieben Jahren Ausland kehrten wir dann in die Schweiz zur\u00fcck. Ein tolles Abenteuer! Sieben Jahre war ich fast ausschliesslich f\u00fcr meine Familie da, denn ich hatte in den USA kein Arbeitsvisum und in Deutschland fehlte mir erst das Netzwerk. Durch verschiedene spannende Teilzeitpositionen in der Freiwilligenarbeit, durfte ich viele tolle Erfahrungen machen. Dennoch lebte ich das typische Familien-Frauen-Dasein. Das Abenteuer kam langsam zu einem Ende. Wir kehrten in die Schweiz zur\u00fcck, kauften ein Haus und ich lebte mit meinem tollen Mann und meinen zwei gesunden Kindern gl\u00fccklich und zu frieden. Naja nicht ganz.<\/p>\n<p>Die Unruhe in mir wurde immer gr\u00f6sser. Ich wollte einfach wieder arbeiten. Dieser Wunsch schien nicht ganz einfach erf\u00fcllbar zu sein. Eigentlich seltsam: ich verf\u00fcge \u00fcber ein gutes Netzwerk und ein super Umfeld, das mir den R\u00fccken st\u00e4rkt. Zugleich hatte ich aber mit einem schlechten Gewissen zu k\u00e4mpfen. Ich hatte alles und doch war ich unzufrieden. Und zwar immer mehr \u2013 je l\u00e4nger ich keine Arbeit fand. So kamen auch noch Schuldgef\u00fchle hinzu. Konnte ich denn nicht dankbar sein, f\u00fcr das, was ich hatte? Selbstmitleid ol\u00e9! Mit jeder Jobabsage ein bisschen mehr.<\/p>\n<p>Dieses Mal wollte ich aber weiterk\u00e4mpften. Die Zeit im Ausland hat mir gezeigt, dass ich mit meinem Anliegen, arbeiten zu wollen, nicht abnormal war. Dort arbeiten M\u00fctter und niemand klassifiziert berufst\u00e4tige Frauen mit Kindern als Rabenm\u00fctter. Zudem wollte ich ein Vorbild f\u00fcr meine Kinder sein. Es machte mich betroffen, dass meine Tochter und mein Sohn das klassische Rollenbild von Mann und Frau vorgelebt bekamen und so das Gef\u00fchl hatten, das sei das einzig richtige Familienmodell.<\/p>\n<p><strong>Back to Business<\/strong><\/p>\n<p>Mein Ziel: Meine Situation musste sich \u00e4ndern! Kurzentschlossen meldete ich mich f\u00fcr den Weiterbildungslehrgang <a href=\"https:\/\/www.es.unisg.ch\/de\/programme\/women-back-business\">\u00abWomen Back to Business\u00bb<\/a> an der Universit\u00e4t St.Gallen an. Dort erhielt ich, neben spannendem Fachwissen, ein Coaching. Ich arbeitete an meinem Selbstbewusstsein und lernte, wie ich mich positionieren und wie ich mich selbst besser verkaufen konnte.<\/p>\n<p>Ich schaffte es sogar, an meine fr\u00fchere Karriere als Bankerin anzukn\u00fcpfen und fand eine Anstellung bei einer Privatbank. Sp\u00e4ter wechselte ich meinen Beruf. Nun bin ich Leiterin der \u00abWomen Back to Business\u00bb Programme. Ich freue mich, Frauen zu unterst\u00fctzen, die Wiedereinsteigen oder Umsteigen m\u00f6chten \u2013 genauso wie ich vor sechs Jahren.<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fcckliche Kinder<\/strong><\/p>\n<p>So erreichte ich endlich mein pers\u00f6nliches Ziel. Ich kann mir die Erziehung meiner Kinder mit meinem Mann teilen und ich habe seine volle Unterst\u00fctzung. Bez\u00fcglich Gleichstellung von Mann und Frau glaube ich, gibt\u2019s aber noch viel zu tun. In der Schweiz stehen wir leider noch weit hinten an. Als ich wieder anfing zu arbeiten, musste ich mir zum Teil anh\u00f6ren: \u00abDiese armen Kinder\u00bb. Wirklich? Nein, ich bin \u00fcberzeugt, dass mein beruflicher Wiedereinstieg meinen Kindern eine neue Perspektive gibt und ihr Selbstbewusstsein sowie ihr Selbstvertrauen gest\u00e4rkt wird. Meine Kids werden auf eine gute Art sozialisiert und nicht von Rollenbildern voreingenommen sein.<\/p>\n  \n  <div class=\"box right courses\">\n          <div class=\"course clickable\">\n        <h5>Executive School Studiengang:<\/h5>\n        <div class=\"terms\">\n          Open Programmes<br>        <\/div>\n\n        <h4>\n          <a target=\"_self\" href=\"https:\/\/www.es.unisg.ch\/de\/programme\/women-back-business\">Women Back to Business<\/a>        <\/h4>\n\n        <div class=\"description\">\n          Management-Weiterbildung f\u00fcr Wiedereinsteigerinnen oder Umsteigerinnen        <\/div>\n      \n      <\/div>\n        <\/div>\n  \n<p>Mit unserem System in der Schweiz hat es mein Familienmodell allerdings schwer. Wiedereinsteigerinnen werden heute bestraft. Wenn eine Mutter 14 Wochen nach der Niederkunft nicht mit ihrem bisherigen Arbeitspensum einsteigen will, hat sie keinen Anspruch mehr auf den Job. Oder wenn man als Rabenmutter gesehen wird, nur weil man berufst\u00e4tig ist? Ist das denn fair? Nein und heute weiss ich, es lohnt sich zu k\u00e4mpfen!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.es.unisg.ch\/de\/people\/patricia-widmer\"><strong>Kurzportr\u00e4t Patricia Widmer<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennen Sie die bittere Entt\u00e4uschung, wenn sie tief von etwas \u00fcberzeugt sind und die Realit\u00e4t macht einem einen fetten Strich durch die Rechnung? Ich schon! Karriere und Familie \u2013 das l\u00e4uft bei mir parallel. Davon war ich absolut \u00fcberzeugt. 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