{"id":1055,"date":"2019-06-25T12:00:07","date_gmt":"2019-06-25T10:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?p=1055"},"modified":"2019-06-25T16:46:00","modified_gmt":"2019-06-25T14:46:00","slug":"sprache-wichtiger-baustein-fuer-inklusion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/sprache-wichtiger-baustein-fuer-inklusion","title":{"rendered":"Sprache: wichtiger Baustein f\u00fcr Inklusion"},"content":{"rendered":"<p>Die Linguistik geht davon aus, dass Sprache und gesellschaftliche Wirklichkeit eng miteinander verkn\u00fcpft sind. F\u00fcr uns gewinnt Realit\u00e4t, was wir auch sprachlich benennen. Und deshalb ist eine geschlechtergerechte Sprache wichtig.<\/p>\n<p>Gendergerechte oder auch geschlechtergerechte Sprache meint eine Sprache, die immer beide \u2013 respektive alle \u2013 Geschlechter ausdr\u00fccklich anspricht. Sie ist also ein Inklusions-Verfahren auf Ebene der Sprache. Im Deutschen wird oft das sogenannte generische Maskulinum benutzt. Der Begriff bringt zum Ausdruck, dass in der m\u00e4nnlichen Form die weibliche mitgemeint sei. Wenn ich also sage oder schreibe: \u201eDie Mitarbeiter der Firma X&#8230;\u201c geht diese Sprachverwendung davon aus, dass sich Mitarbeiterinnen und auch Mitarbeitende, die sich keinem Geschlecht zuordnen, durch diese Anrede angesprochen f\u00fchlen. Viele Forschungen zeigen, dass dies aber nicht der Fall ist. Menschen m\u00fcssen, wenn sie sich angesprochen f\u00fchlen sollen, auch explizit genannt werden. Es gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten, dies zu tun: \u00fcber die Partizipialform \u201eMitarbeitende\u201c oder \u00fcber Formen, die mehr als zwei Geschlechter ausdr\u00fccken, wie Mitarbeiter\/innen oder Mitarbeiter*innen.<\/p>\n<p>Will also ein Unternehmen alle Mitarbeitenden gleichermassen ansprechen, kommt einer geschlechtergerechten Sprache eine grosse Bedeutung zu. J\u00fcngste Forschung zeigt, dass Frauen* unabh\u00e4ngig von ihren F\u00e4higkeiten im Beruf nach wie vor mit gr\u00f6sseren H\u00fcrden zu k\u00e4mpfen haben als M\u00e4nner. Und nicht nur Frauen*, sondern auch andere Gruppen werden aufgrund von Geschlecht diskriminiert. So sind Transmenschen in der Arbeitswelt heute sehr grossen Diskriminierungen ausgesetzt. Und auch die sexuelle Orientierung kann nach wie vor zu Ausschl\u00fcssen f\u00fchren. Da die deutsche Sprache das Geschlecht grammatikalisch sehr oft explizit macht, ist die Kategorie Geschlecht in vielen Aussagen in irgendeiner Form pr\u00e4sent. Dabei funktioniert die Sprache bin\u00e4r \u2013 das heisst, es gibt im Hinblick auf das menschliche Geschlecht nur m\u00e4nnlich oder weiblich. So besteht eine inkludierende Sprache in einem ersten Schritt darin, diese beiden Positionen zu ber\u00fccksichtigen und gleichwertig zu behandeln.<\/p>\n<p>Viele sind der Ansicht, dass das Problem der Exklusion, also das Problem, sich durch die m\u00e4nnliche Form nicht angesprochen zu f\u00fchlen, Frauen* selbst zuzuschreiben sei. Diese Ansicht ignoriert wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Sprache auch innere Bilder schafft. Wird immer nur von \u201eder Chef\u201c und \u201eder Arzt\u201c gesprochen, so sind die inneren Bilder, die entstehen, m\u00e4nnlich \u2013 nicht weiblich. Und wenn Frauen* auf dieser Ebene nicht vorkommen, dann ist es viel schwieriger f\u00fcr sie, eine Vision davon zu entwerfen, einmal selber \u201eder Chef\u201c oder \u201eder Arzt\u201c zu sein.<\/p>\n<p>Die eigene Sprache so belassen zu wollen, wie sie ist, hat aber auch damit zu tun, dass sie gar nicht so leicht zu ver\u00e4ndern ist. Es braucht also zuerst einmal ein Problembewusstsein und dann den Willen, die eigene Sprache inkludierender zu gestalten.<\/p>\n<p>Mit der Ber\u00fccksichtigung von Mann <em>und<\/em> Frau auf Ebene der Sprache kommen wir einer gendergerechten Sprache zwar schon n\u00e4her. Der Geschlechterdualismus bildet aber noch nicht alle Existenzweisen von Geschlecht ab. Das deutsche Verfassungsgericht hat ein drittes Geschlecht anerkannt, das alle Menschen umfasst, die in diesem Geschlechterdualismus nicht enthalten sind. Also Menschen, die sich, wenn auch in unterschiedlicher Weise, \u201ezwischen\u201c den Geschlechtern finden wie Transmenschen, Intersex-Menschen, oder Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen. Ich vertrete die Ansicht, dass unsere Gesellschaft sprachlich inkludierend mit allen Existenzweisen von Geschlecht umgehen und diese dritte Geschlechterposition anerkennen sollte. Historisch gesehen ist diese Haltung aber noch viel umstrittener, als die Anerkennung einer Chancengleichheit von Mann und Frau. Durch die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache, die Frauen explizit anspricht, ist schon ein grosser und wichtiger Schritt gemacht! F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnsche ich mir, dass wir eines Tages auch weitere Existenzweisen offiziell anerkennen. Dass wir also auch sprachliche L\u00f6sungen finden f\u00fcr Menschen \u201ezwischen den Geschlechtern\u201c. Neben Formulierungen, die eine geschlechtliche Zuordnung vermeiden (Mitarbeitende, F\u00fchrungskraft), kann hier der Gender Gap oder Unterstrich (Mitarbeiter_innen) oder das \u201eSternchen\u201c oder Asterisk (Chef*innen) verwendet werden.<\/p>\n  \n  <div class=\"box right courses\">\n          <div class=\"course clickable\">\n        <h5>Executive School Studiengang:<\/h5>\n        <div class=\"terms\">\n          Open Programmes<br>        <\/div>\n\n        <h4>\n          <a target=\"_self\" href=\"https:\/\/www.es.unisg.ch\/de\/programme\/women-back-business\">Women Back to Business<\/a>        <\/h4>\n\n        <div class=\"description\">\n          Management-Weiterbildung f\u00fcr Wiedereinsteigerinnen oder Umsteigerinnen        <\/div>\n      \n      <\/div>\n        <\/div>\n  \n<p>Es gibt kritische Stimmen, die beklagen, dass solche L\u00f6sungen formal unsch\u00f6n seien und die Sprache schwerf\u00e4llig machten. Es stimmt, dass wir in der Sprachverwendung in der Regel sparsam sind und uns kurz und pr\u00e4gnant auszudr\u00fccken wollen. So ist eine fl\u00fcssige Ausdrucksweise wichtig. M\u00fcndlich ist es jedoch ziemlich einfach, diese Zeichen durch eine kurze Pause im Redefluss auszudr\u00fccken. So scheinen mir die H\u00fcrden mehr in Sprach- und Denkgewohnheiten zu liegen, als in Sprach\u00f6konomie und -\u00e4sthetik. Klar m\u00fcssen wir uns erst an diese Formen gew\u00f6hnen und erscheinen sie bei erster Verwendung \u201eholperig\u201c. Und vielleicht werden sie sich in n\u00e4chster Zeit auch noch ver\u00e4ndern. Sprachverwendung ist aber immer auch Sprachenpolitik. Wenn sich eine Gesellschaft daf\u00fcr entscheidet, mit einem dritten Geschlecht inkludierend umzugehen, wie dies Deutschland gerade getan hat, so wird sie auch sprachliche Formen finden m\u00fcssen, um dieser Inklusion Ausdruck zu verleihen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Linguistik geht davon aus, dass Sprache und gesellschaftliche Wirklichkeit eng miteinander verkn\u00fcpft sind. F\u00fcr uns gewinnt Realit\u00e4t, was wir auch sprachlich benennen. Und deshalb ist eine geschlechtergerechte Sprache wichtig. Gendergerechte oder auch geschlechtergerechte Sprache meint eine Sprache, die immer beide \u2013 respektive alle \u2013 Geschlechter ausdr\u00fccklich anspricht. 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Solche Bilder k\u00f6nnen mit der Sprache beeinflusst werden. <\/p>\n","school":false},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1055"}],"collection":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1055"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1055\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1057"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}