{"id":1046,"date":"2019-06-25T10:00:36","date_gmt":"2019-06-25T08:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/?p=1046"},"modified":"2019-06-25T16:44:54","modified_gmt":"2019-06-25T14:44:54","slug":"women-hold-up-half-the-sky-entwicklungen-vom-1-frauenstreik-bis-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/women-hold-up-half-the-sky-entwicklungen-vom-1-frauenstreik-bis-heute","title":{"rendered":"\u201cWomen hold up half the sky\u201d \u2013 Entwicklungen vom 1. Frauenstreik bis heute"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Frau Sander: Dieses Jahr feiern Sie 30-j\u00e4hriges HSG-Jubil\u00e4um. Was hat sich seither positiv ver\u00e4ndert?<\/strong><\/em><br \/>\nAls ich vor 30 Jahren kam, gab es ca. 17% Studentinnen und eine Professorin, wenn ich mich richtig erinnere. Heute haben wir immerhin 35% Studentinnen und 13% Professorinnen. Zudem haben Themen wie Sustainability, Diversity and Inclusion etc. Einzug in die Lehrpl\u00e4ne gehalten und man kann sein Studium mittlerweile auch in Englisch absolvieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_447\" aria-describedby=\"caption-attachment-447\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img class=\"size-medium wp-image-447\" src=\"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Gudrun-Sander-2015-Portrait-300x300.png\" alt=\"Gudrun Sander Portrait\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Gudrun-Sander-2015-Portrait-300x300.png 300w, https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Gudrun-Sander-2015-Portrait-104x104.png 104w, https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Gudrun-Sander-2015-Portrait-180x180.png 180w, https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Gudrun-Sander-2015-Portrait-240x240.png 240w, https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Gudrun-Sander-2015-Portrait.png 360w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-447\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Gudrun Sander<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Sie bringen viele Frauen an die HSG und in den Bereich Weiterbildungen. Wie schaffen Sie das?<\/strong><\/em><br \/>\nIm Bereich der Weiterbildung gelingt uns das mit dem seit mehr als 10 Jahren existierenden \u00abWomen Back to Business\u00bb-Programm, das sehr gut qualifizierte Frauen beim Wiedereinstieg oder Umstieg in eine qualifizierte Position unterst\u00fctzt. Zus\u00e4tzlich machen wir seit Jahren Rolemodel-Events zum Thema Women\u2019s Perspective on Leadership and Career Development, wo wir zeigen, wie unterschiedlich die Karrierewege und F\u00fchrungsvorstellungen von Frauen sein k\u00f6nnen. Ich bin auch oft in Mentoring-Programmen f\u00fcr Nachwuchsfrauen in Firmen und Hochschulen involviert. Diese nehmen regelm\u00e4ssig am St. Gallen Leadership-Tag teil oder kommen zu anderen Weiterbildungen an der HSG. Das freut mich nat\u00fcrlich sehr, dass ich so die HSG bei Frauen positiver positionieren kann.<\/p>\n<p><em><strong>Wo besteht noch Handlungsbedarf, wo k\u00f6nnen wir uns noch mehr anstrengen?<\/strong><\/em><br \/>\nUm mehr junge Frauen an die HSG zu bringen, m\u00fcssen wir st\u00e4rker die Vielfalt der HSG nach aussen zeigen. Wir stehen nicht nur f\u00fcr Banking und Finance oder Strategie sondern haben ganz viele spannende Themenfelder, besonders im Master. Das m\u00fcssen wir st\u00e4rker kommunizieren und ebenfalls Vorbilder zeigen, wie Frauen, die an der HSG studiert haben, in ganz unterschiedlichen Bereichen engagiert sind und sich beruflich entwickeln.<\/p>\n<p><em><strong>Tun wir genug im Bereich Weiterbildungen? Als Executive School?<\/strong><\/em><br \/>\nUnsere Flagship-Programme sind engagiert und bem\u00fchen sich, mehr Frauen in die Weiterbildung zu bringen. Letztes Jahr haben wir zumindest die 30% H\u00fcrde geschafft. Teilweise braucht es noch mehr Flexibilit\u00e4t in der Programmgestaltung, mehr Dozentinnen und inhaltliche Anpassungen in den Weiterbildungsg\u00e4ngen, um gezielt mehr Frauen anzusprechen. Es ist ein Schneeball-Effekt: Je mehr gute Beispiele wir auch in der Kommunikation zeigen k\u00f6nnen, desto mehr Frauen f\u00fchlen sich angesprochen und kommen zu uns in die Weiterbildung.<\/p>\n<p><em><strong>K\u00fcrzlich war der Frauenstreik \u2013 Sie haben den ersten 1991 miterlebt. Wie?<\/strong><\/em><br \/>\nDas war ein ziemlicher Aufruhr an der HSG. Teilweise haben die Professoren ihren Mitarbeiterinnen verboten, am Streik teilzunehmen. Es gab aber schon ein paar engagierte Frauengruppen an der HSG, wie z. B. das Forum Frau und Management oder den Diskussionskreis Frau und Wissenschaft. Insofern fanden trotzdem Kundgebungen und Aktivit\u00e4ten statt. Ich war auch dabei und mir ist vor allem die Energie in Erinnerung geblieben. Das Motto war: \u00abWenn Frau will steht alles still.\u00bb Das war dann tats\u00e4chlich zu sp\u00fcren und hat die viele \u2013 oft und bis heute noch \u2013 unbezahlte Arbeit der Frauen sichtbar gemacht, aber auch ihre Beitr\u00e4ge im Erwerbsleben, wo die Frauen vor 30 Jahren in der Schweiz noch viel st\u00e4rker im Hintergrund standen als heute.<\/p>\n  \n  <div class=\"box right courses\">\n          <div class=\"course clickable\">\n        <h5>Executive School Studiengang:<\/h5>\n        <div class=\"terms\">\n          Open Programmes<br>        <\/div>\n\n        <h4>\n          <a target=\"_self\" href=\"https:\/\/www.es.unisg.ch\/de\/programme\/women-back-business\">Women Back to Business<\/a>        <\/h4>\n\n        <div class=\"description\">\n          Management-Weiterbildung f\u00fcr Wiedereinsteigerinnen oder Umsteigerinnen        <\/div>\n      \n      <\/div>\n        <\/div>\n  \n<p><em><strong>Was hat sich seither ver\u00e4ndert? Zum Positiven:<\/strong> <\/em><br \/>\nZum Positiven, aus meiner selektiven Wahrnehmung: Die rechtliche Gleichstellung ist defacto in der Schweiz erreicht. Das neue Eherecht (von 1988), das Gleichstellungsgesetz (von 1996) etc. haben hier gute Grundlagen gebracht. Die Mutterschaftsversicherung und der Mutterschaftsurlaub wurden 2005 eingef\u00fchrt. Es ist auch viel anerkannter, dass Frauen \u2013 auch mit kleinen Kindern \u2013 erwerbst\u00e4tig bleiben, zumindest in Teilzeit. Vor 30 Jahren hiess es in der Ostschweiz und in weiten Teilen der Schweiz noch: \u00abEntweder du steigst nach der Geburt eines Kindes aus oder du kommst Vollzeit wieder zur\u00fcck.\u00bb Gleicher Lohn f\u00fcr gleichwertige Arbeit ist zumindest gesetzlich verankert und hat einige Korrekturen gebracht. Ich kann mich noch gut erinnern, als vor 30 Jahren eine Kollegin zu mir gesagt hat, dass es doch ganz normal und ok ist, dass sie als Frau f\u00fcr den gleichen Job weniger verdient als ihr Kollege, der eine Familie zu ern\u00e4hren hat. Das ist heute nicht mehr denkbar und gegen das Gleichstellungsgesetz. Trotzdem bleibt noch einiges zu tun, denn tats\u00e4chliche Lohngleichheit haben wir in der Schweiz immer noch nicht ganz erreicht. Das h\u00e4ngt aber vor allem mit den schlechteren Aufstiegsm\u00f6glichkeiten von Frauen zusammen.<\/p>\n<p><em><strong>Zum Negativen:<\/strong><\/em><br \/>\nDer Druck auf junge Familien ist gestiegen. Sie f\u00fchlen sich oft allein gelassen in den Rush Hours of Life, da einerseits zu wenig bezahlbare und gute Kinderbetreuungsm\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung stehen und da sie andererseits unverh\u00e4ltnism\u00e4ssige hohe Einbussen bei der beruflichen Entwicklung in Kauf nehmen m\u00fcssen, wenn sie Teilzeit arbeiten wollen. Die Familie hat weiterhin einen hohen Stellenwert in der Schweiz. Gelebte Familienmodelle sind jedoch vielf\u00e4ltiger geworden. Die Rahmenbedingungen orientieren oft noch am traditionellen Familienbild und es gab kaum Anpassungen. Hier m\u00fcssen dringend auf politischer Ebene die Weichen umgestellt werden: Elternurlaub, Individualbesteuerung, flexiblere Vorsorgel\u00f6sungen, etc.<\/p>\n<p><em><strong>Wof\u00fcr m\u00fcssen\/sollten wir Frauen heute noch k\u00e4mpfen?<\/strong><\/em><br \/>\nDas m\u00f6chte ich insbesondere drei Punkte erw\u00e4hnen:<\/p>\n<p>1. Gegen die subtilen Abwertungen. Im Fachjargon sprechen wir von Unconscious Bias. Die Leistungen von Frauen und M\u00e4nnern werden immer noch unterschiedlich wahrgenommen. Frauen wird immer noch weniger zugetraut als M\u00e4nnern. Die wenigen Frauen in Top-F\u00fchrungspositionen stehen unter h\u00f6chster Aufmerksamkeit und werden st\u00e4rker abgestraft als M\u00e4nner in solchen Rollen.<\/p>\n<p>2. F\u00fcr flexiblere Arbeits- und Vorsorgemodelle. Ich stelle mir immer wellenf\u00f6rmige Karrieren vor, wo junge Menschen nach der Ausbildung durchstarten, internationale Erfahrungen sammeln etc. Dann kommt vielleicht eine Phase der Familiengr\u00fcndung, einer n\u00e4chsten Ausbildung oder eines politischen Engagements, die ein weiterhin sehr hohes Engagement im Erwerbsleben aber vielleicht mit geringerer zeitlicher Verf\u00fcgbarkeit mit sich bringt. Mit Ende 40 haben die Menschen vielleicht nochmals Lust durchzustarten, orientieren sich um, erh\u00f6hen ihr Arbeitspensum wieder oder gr\u00fcnden eine Firma bis sie dann vielleicht um die 60 ihr berufliches Engagement zugunsten anderer Aktivit\u00e4ten sukzessive wieder zur\u00fcckfahren und irgendwann nach 70 dann tats\u00e4chlich in den Ruhestand gehen.<\/p>\n<p>3: F\u00fcr ausreichende und bezahlbare Kinderbetreuung und f\u00fcr Elternzeit, die eine partnerschaftliche Rollenteilung in der Familie unterst\u00fctzt. Dazu geh\u00f6rt auch, dass unbezahlte Betreuungsarbeit in der Schweiz abgesichert wird.<\/p>\n<p><em><strong>Ihr Appell an die Frauenwelt:<\/strong><\/em><br \/>\nEs war noch nie sch\u00f6ner als heute als Frau in der Schweiz zu leben. Seid nicht so kritisch mit euch selbst, denkt langfristig und engagiert euch f\u00fcr eure Herzensprojekte.<\/p>\n<p><em><strong>Ihr Appell an die Privatwirtschaft:<\/strong><\/em><br \/>\nNutzt die Potenziale und das Engagement der Frauen aber auch von anderen bisher eher marginalisierten Gruppen noch mehr und setzt euch f\u00fcr eine inklusive Arbeitskultur ein. Wir werden in Zukunft ALLE brauchen, um wettbewerbsf\u00e4hig zu bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Picture by <a class=\"_3XzpS _1ByhS _4kjHg _1O9Y0 _3l__V _1CBrG xLon9\" href=\"https:\/\/unsplash.com\/@tinymountain\">Katherine Hanlon<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/\">Unsplash<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n            <div id=\"mailerlite-form_1\" data-temp-id=\"69e3499d7fe11\">\n                <div class=\"mailerlite-form\">\n                    <form action=\"\" method=\"post\">\n                                                    <div class=\"mailerlite-form-title\"><h3>Newsletter Signup<\/h3><\/div>\n                                                <div class=\"mailerlite-form-description\"><\/div>\n                        <div class=\"mailerlite-form-inputs\">\n                                                                                            <div class=\"mailerlite-form-field\">\n                                    <label 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Ihre Forderung: Die H\u00e4lfte der machtvollen Entscheidungspositionen in Unternehmen sollen von Frauen bekleidet werden und die Arbeitslast zwischen den Geschlechtern in Familie und Beruf soll fair verteilt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n","school":false},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1046"}],"collection":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1046"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1046\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1047"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1046"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1046"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lam.unisg.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1046"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}